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Ultra-Radrennen- Die Pack- und Checkliste

Ultra-Radrennen: Hier findest du eine Hilfestellung für ein Pack- und Checkliste….

Neue Herausforderungen erfordern genaue Organisation und Planung. So auch für mich, wie ich beschlossen habe, als Rookie bei einem Ultra-Radrennen an den Start zu gehen. Dieses Format ist ein Rennen, das über die Nacht (auch über mehrere Tage) ausgetragen wird. Ähnlich wie ein Brevet, nur dass sich hinter Dir ein Begleitfahrzeug mit Deinem Team um Deine Bedürfnisse kümmert. 

Ich war im ersten Moment sehr überfordert, da man hier sehr viel beachten muss. Was am Renntag nicht dabei ist, ist nicht dabei und kann Dir auch die Zieleinfahrt kosten.

Es ist also eine genaue Evaluierung notwendig. Ich möchte Euch mit diesem Beitrag einen Überblick meiner Gedanken und meiner Checkliste geben. Für mich war es das perfekte Setup, was aber nicht zugleich bedeutet, dass es für Dich passt. Aber ich denke, es kann Dir eine gute Hilfestellung bieten.

“Egal für welches Rennen Du dich entscheidest, es wird ein Abenteuer”

Es gibt mittlerweile sehr viele Optionen, so ein Rennformat zu bestreiten. Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland, Niederlande und sogar über den großen Teich haben sich solche Rennen bereits etabliert. Ich habe mich für die kleinstmögliche Variante entschieden, um mal Ultracycling-Luft zu schnuppern. Das Race Around Austria bietet für alle Abenteurer die passende Strecke, ob 560 Kilometer oder doch die Extreme mit 2200 Kilometern, um so etwas zu wagen! Da ich davor noch nie mehr als 350 Kilometer am Stück geradelt bin, war meine Entscheidung für die Challenge-Variante die beste Wahl. 560 Kilometer mit 6500 Höhenmeter reichen für mich persönlich für einen Einstieg. 

 

So und nun hast Du eine Entscheidung getroffen! Weiter geht’s!

Du bekloppt. Ich bekloppt. Wir sind ein perfektes Team!

Für mich persönlich ist die Wahl des richtigen Teams und der Wegbegleiter die entscheidende Komponente, ob das Projekt erfolgreich beendet werden kann oder eben auch nicht. 

Grundsätzlich bereitet man sich gut auf ein Radrennen vor. Man trainiert, optimiert und testet allerhand. Letzten Endes entscheidend die mentale Stärke über ein Finish! Und hier spielt Dein Team eine wesentliche Rolle! Unweigerlich beginnt es irgendwann zu zwicken und zu zwacken. Die Quälerei, wieder einen Riegel in sich reinzustopfen oder dass das Wetter eben nicht die perfekten 23 Grad und Windstille für Dich bereithält. Dein Team hat viele Aufgaben zu meistern:

  • navigieren
  • motivieren
  • ernähren
  • medizinisch versorgen
  • seelsorgen
  • organisieren
  • kühlen Kopf bewahren
  • reparieren

 

Für die Wahl zum richtigen Begleitteam solltest Du Dir folgende Fragen stellen: Kann mein Betreuer in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahren? Kann ich mein Leben – und ja das klingt etwas übertrieben, aber in solchen Situation musst Du die Verantwortung anderen überlassen – meinen Betreuern anvertrauen? Können sie mich motivieren und aus den Tiefs holen? Und vor allem: Kann man gemeinsam lachen und Spaß an der Sache haben? 

Vorbereiten und trainieren

Deine primäre Aufgabe vor dem Rennen ist die Organisation und das Training. Ich habe mich ohne Trainingsplan vorbereitet, da ich für mich die Freiheit, wann und wo zu radeln, viel wichtiger war, als einen strikten Plan zu verfolgen. Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen und hier enthalte ich mich meiner Meinung! Wenn Dir ein Sieg vorschwebt, wäre allerdings ein gezieltes Training etwas vorteilhafter, da die Damen und Herren hier wahnsinnige Leistungen vollbringen oder Du bist sowieso schon Bombe! 

 

“Anna, bist du schon mal 500km g`radelt?” “Na, noch nie! “Doch, jetzt schon!”

Ernährung-Futterluke auf!

Am meisten Gedanken habe ich mir über die Ernährung gemacht! Bei diesem Rennen verbrennt man circa 10.000 Kalorien. Das ist ziemlich viel, um mit Kuchen und Naschkram wieder zu füllen. 

Wenn mal der Hammer gekommen ist und Hungerast auf Deiner Stirn steht, ist das Rennen quasi gelaufen. Also Dein Ziel sollte sein, Deinem Körper konsequent Kalorien zu gönnen.

Ich habe mich entschieden, den Bedarf mit Flüssignahrung und isotonischen Getränken abzudecken. Softdrinks sind zwar bei Ausfahrten geil, aber bei langen Fahrten bläht Kohlensäure auf und durch den hohen Zuckergehalt bekommst Du zwar kurz einen Schub, aber fällst auch gleich wieder tief ab. Einmal mit Zuckerwasser begonnen, ist es schwierig danach den Haushalt im Gleichgewicht zu halten. 

Wasser habe ich auf ein Minimum reduziert, da zu viel Wasser ausschwemmt und man zu Einlagerungen neigt. Meine Energiebilanz zum Schluss: 10.000 verbrannt, 9.000 zugeführt! Also die Rechnung ist aufgegangen. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich zum Schluss ziemlich gezwungen werden musste und ich die letzten Stunden etwas Verdauungsschwierigkeiten hatte. Also hier gibts auch bei mir noch ordentlich Potenzial, zu optimieren. Prinzipiell ist das Konzept für mich aber stimmig!  

Müdigkeit - Treten, treten, treten!

Bei 24 Stunden kommt das Thema Müdigkeit noch nicht wirklich zu tragen, aber man sollte sich hier schon ein paar Gedanken machen! Früher war es ja auch kein Problem eine Nacht lang durchzufeiern und dann direkt arbeiten zu gehen. 😉 Feiern oder 24 Stunden Rad fahren sind hier dann doch zwei Paar Schuhe! Ich habe mich in der Vorbereitung dazu entschieden, auf meinen heißgeliebten Kaffee zu verzichten. Der Körper braucht 8 Wochen, um sämtliches Koffein im Körper abzubauen. Also 8 Wochen vor dem Rennen habe ich einen Koffeinentzug gemacht. Unglaublich, wie abhängig mein Körper davon war. Kopfschmerzen, extreme Müdigkeitseinbrüche am Nachmittag und meine Laune dezent gereizt. Nach 2 Wochen hat sich aber mein Körper daran gewöhnt. Warum habe ich das gemacht?

 

Ich habe während dem Rennen (nach 10 Stunden im Sattel) Koffeintabletten zu mir genommen. Koffeintabletten sind hoch dosiert und sind vergleichbar mit 3 Tassen von einem hervorragenden Espresso. Der Energieschub ist spürbar und die Konzentration für die Abfahrten voll da! So konnte ich nach 440 Kilometern noch immer den Pass runterrasen ohne Angst haben zu müssen, dass ich unkonzentriert wäre. Feuer frei!

Alkohol ist auch keine Lösung

Als Hobbyradlerin trinke ich gerne mal einen erfrischenden Radler nach einer Ausfahrt. Gemütlich in der Runde sitzen und über die tolle Ausfahrt philosophieren. 3 Monaten vor dem Rennen habe ich auf sämtliche Feierabendrunden verzichtet. Und erstaunlicherweise sind meine Leistungsdaten um einiges besser geworden, obwohl ich beim Training kaum etwas umgestellt habe. Nur um eines klarzustellen. Ich trinke nicht regelmäßig und auch schon gar nicht im Übermaß, aber anscheinend haben selbst kleine Mengen Alkohol massive Auswirkungen! Also: Don`t drink and ride!

Begleitfahrzeug - Dein Versorgungsschiff

Das Begleitfahrzeug oder auch Pacecar genannt befindet sich während dem Rennen immer hinter Dir. Man kann es minimalistisch angehen und einfach mit einem großen Kombi versuchen. Ich habe freundlicherweise von einem guten Freund einen Bus geliehen bekommen. Da dieser Bus zum Campen benutzt wird, war er schon perfekt für mich ausgebaut. Schubladensystem, elektrische Kühlbox, Schlafmöglichkeit und mein Ersatzrad und Reservelaufräder haben auch genügend Platz. Wichtig ist noch die Blinklichtanlage, die bei solchen Rennen vorgeschrieben ist. Wir haben (besser gesagt Thomas der eigentlich Team Strasser begleitet) einen Verteiler für den Zigarettenanzünder organisiert. Damit konnten wir die Blinklichtanlage, elektrische Kühlbox und den ganzen anderen Krimskrams ohne Probleme laden und mit Strom versorgen. Auf eine zusätzliche Beleuchtung haben wir verzichtet, wer allerdings ein Rennen über mehrere Tage geplant hat, dem sei dies empfohlen, da hier die Nacht zum Tag gemacht wird! 

Musik in meinen Ohren - Die Funkverbindung

Hier kann man es durchaus wieder minimalistisch mit einem Handy und Kopfhörer angehen. Ich habe mich aber entschieden, hier auf professionelle Produkte zu setzen. Meine Kopfhörer (SENA) sind Intercomgeräte, die es mir und meinem Team ermöglicht haben, permanent im Kontakt zu sein. Die Geräte lassen sich auch während dem Einsatz laden und somit ist gewährleistet, dass eine dauerhafte Sprechverbindung besteht. Das Beste für mich persönlich: Die Musik lässt sich teilen und ich musste mir während dem Rennen keine Gedanken um eine passende Beschallung machen! Let´s dance!

Rund ums Radl und auch Wadl

Ich glaube jeder von uns weiß, was er zum Radfahren benötigt! Hier werde ich etwas wortkarg auf die Materialliste verweisen! Eine kleine Anmerkung meinerseits: Da die Planung und Vorbereitung Wochen vor dem Start gemacht werden und man keine Einschätzung über das Wetter treffen kann, ist es durchaus sinnvoll, sich für Regen, Schnee, Wind und Wetter gut auszurüsten! Das Material und die Bekleidung ausreichend testen und nichts dem Zufall überlassen! Wenn man es nicht braucht, auch schön.

Ich habe in der Vorbereitung das Privileg gehabt, von einem echten Profi, Christoph Strasser, Tipps zu erhalten. Es war für mich auch ein großer Vorteil, dass Thomas und Martin erfahrene Betreuer sind! Ich möchte hier meine Erfahrungen mit Euch teilen und vielleicht ist das eine oder andere hilfreiche für Dich dabei! Wenn nicht: Hilfts net, schadet`s net!

Hier nun die Checkliste für dein Abenteuer:

Rund ums Auto

 
  • Auto
  • Orange Blinklichter 2 Stück
  • Zigarettenanzünder Verteiler mit USB
  • Powerbank 2 Stück
  • Stecker Mini USB, USB-C
  • Elektrische Kühlbox
  • Organisationsboxen (ausreichend beschriftet
  • Navigationsgerät
  • Altes Handy mit Backup Strecke
  • Musikwünsche
 
  • Beklebung Achtung Rennen und Routebook
  • Handtücher 
  • Decke und Alurettungsdecke
  • Aufblasbare Matratze
  • Schlafsack
  • Stirnlampen
  • Warnwesten

 

Rund ums Radl

 
  • Helm, Wechselhelm
  • Lichter (Front Garmin, Back Bodenstrahler)
  • Reserve Lichter Back
  • Reserve Licht Front
  • Akku (leicht und klein für Trikottasche)
  • Fahrradcomputer
  • Ersatzschläuche 
  • Ersatzrad oder Bergrad 
  • Reserve Laufräder
  • CO2 Kartuschen
  • Luftpumpe 
  • Reifenheber
  • Imbusset
  • Kettenöl
  • Ersatzkette
  • Kettenschloss
  • Kettennieter
  • Regenblech
  • Montageständer
  • Reinigungsmittel
  • Panzertape 
  • Reflektorenbeklebung

 

  • genügend Trinkflaschen

Rund um die Rennradlwadl

 
  • Regenhose kurz/lang
  • Regenjacke
  • Windjacke
  • Gilet
  • Ärmlinge dünn/dick
  • Beinlinge dick
  • Knielinge
  • Schlauchschal 
  • Stirnband/Haube
  • Überschuhe 
  • Handschuhe 2 Paar
  • Sport BH 2 Stück
  • Helmüberzieher 
  • Haargummis
  • Zahnbürstl
  • Socken kurz/lang je 2 Paar

Notfallbox:

 
  • Sterile Wundauflagen
  • Eisspray
  • Kompressen
  • Wundspray, Wundcreme
  • Pinzette
  • Netzverband
  • Tape (bereits vorbereitet und geschnitten)
  • Massageöl und Salberl
  • Vaseline (Wasserschutz)
  • Schmerztabletten (Aspirin für das Team)
  • Nasenspray
  • Lutschtabletten
  • Mobile Schiene
  • Toilettenpapier
  • Feuchtes Toilettenpapier
  • Koffeintabletten 
  • Buscopan (Bauchkrämpfe)
  • Effortil (Übelkeit)
  • Wärmepflaster
  • Wärmflasche
  • Wollsocken (für Nickerchen)
  • Coolpack (4 Stück)
  • scharfe Kaugummis

Ernährung für die Rennradlwadl und Team

 
  • Müsliriegel
  • Nüsse/Studentenfutter
  • Wasser Tray
  • Cola/Eistee
  • Bananen
  • Energiedrinks
  • Kaffee
  • Nudeln
  • Jause für das Team

 

Viel Erfolg und allzeit stramme Wadl!

 

Bei Fragen freue mich sehr über eine E-Mail von Dir!
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#wecreateemotions Race Around Austria

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