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    Ultra-Radrennen- Die Pack- und Checkliste

    Ultra-Radrennen: Hier findest du eine Hilfestellung für ein Pack- und Checkliste….

    Neue Herausforderungen erfordern genaue Organisation und Planung. So auch für mich, wie ich beschlossen habe, als Rookie bei einem Ultra-Radrennen an den Start zu gehen. Dieses Format ist ein Rennen, das über die Nacht (auch über mehrere Tage) ausgetragen wird. Ähnlich wie ein Brevet, nur dass sich hinter Dir ein Begleitfahrzeug mit Deinem Team um Deine Bedürfnisse kümmert. 

    Ich war im ersten Moment sehr überfordert, da man hier sehr viel beachten muss. Was am Renntag nicht dabei ist, ist nicht dabei und kann Dir auch die Zieleinfahrt kosten.

    Es ist also eine genaue Evaluierung notwendig. Ich möchte Euch mit diesem Beitrag einen Überblick meiner Gedanken und meiner Checkliste geben. Für mich war es das perfekte Setup, was aber nicht zugleich bedeutet, dass es für Dich passt. Aber ich denke, es kann Dir eine gute Hilfestellung bieten.

    “Egal für welches Rennen Du dich entscheidest, es wird ein Abenteuer”

    Es gibt mittlerweile sehr viele Optionen, so ein Rennformat zu bestreiten. Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland, Niederlande und sogar über den großen Teich haben sich solche Rennen bereits etabliert. Ich habe mich für die kleinstmögliche Variante entschieden, um mal Ultracycling-Luft zu schnuppern. Das Race Around Austria bietet für alle Abenteurer die passende Strecke, ob 560 Kilometer oder doch die Extreme mit 2200 Kilometern, um so etwas zu wagen! Da ich davor noch nie mehr als 350 Kilometer am Stück geradelt bin, war meine Entscheidung für die Challenge-Variante die beste Wahl. 560 Kilometer mit 6500 Höhenmeter reichen für mich persönlich für einen Einstieg. 

     

    So und nun hast Du eine Entscheidung getroffen! Weiter geht’s!

    Du bekloppt. Ich bekloppt. Wir sind ein perfektes Team!

    Für mich persönlich ist die Wahl des richtigen Teams und der Wegbegleiter die entscheidende Komponente, ob das Projekt erfolgreich beendet werden kann oder eben auch nicht. 

    Grundsätzlich bereitet man sich gut auf ein Radrennen vor. Man trainiert, optimiert und testet allerhand. Letzten Endes entscheidend die mentale Stärke über ein Finish! Und hier spielt Dein Team eine wesentliche Rolle! Unweigerlich beginnt es irgendwann zu zwicken und zu zwacken. Die Quälerei, wieder einen Riegel in sich reinzustopfen oder dass das Wetter eben nicht die perfekten 23 Grad und Windstille für Dich bereithält. Dein Team hat viele Aufgaben zu meistern:

    • navigieren
    • motivieren
    • ernähren
    • medizinisch versorgen
    • seelsorgen
    • organisieren
    • kühlen Kopf bewahren
    • reparieren

     

    Für die Wahl zum richtigen Begleitteam solltest Du Dir folgende Fragen stellen: Kann mein Betreuer in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahren? Kann ich mein Leben – und ja das klingt etwas übertrieben, aber in solchen Situation musst Du die Verantwortung anderen überlassen – meinen Betreuern anvertrauen? Können sie mich motivieren und aus den Tiefs holen? Und vor allem: Kann man gemeinsam lachen und Spaß an der Sache haben? 

    Vorbereiten und trainieren

    Deine primäre Aufgabe vor dem Rennen ist die Organisation und das Training. Ich habe mich ohne Trainingsplan vorbereitet, da ich für mich die Freiheit, wann und wo zu radeln, viel wichtiger war, als einen strikten Plan zu verfolgen. Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen und hier enthalte ich mich meiner Meinung! Wenn Dir ein Sieg vorschwebt, wäre allerdings ein gezieltes Training etwas vorteilhafter, da die Damen und Herren hier wahnsinnige Leistungen vollbringen oder Du bist sowieso schon Bombe! 

     

    “Anna, bist du schon mal 500km g`radelt?” “Na, noch nie! “Doch, jetzt schon!”

    Ernährung-Futterluke auf!

    Am meisten Gedanken habe ich mir über die Ernährung gemacht! Bei diesem Rennen verbrennt man circa 10.000 Kalorien. Das ist ziemlich viel, um mit Kuchen und Naschkram wieder zu füllen. 

    Wenn mal der Hammer gekommen ist und Hungerast auf Deiner Stirn steht, ist das Rennen quasi gelaufen. Also Dein Ziel sollte sein, Deinem Körper konsequent Kalorien zu gönnen.

    Ich habe mich entschieden, den Bedarf mit Flüssignahrung und isotonischen Getränken abzudecken. Softdrinks sind zwar bei Ausfahrten geil, aber bei langen Fahrten bläht Kohlensäure auf und durch den hohen Zuckergehalt bekommst Du zwar kurz einen Schub, aber fällst auch gleich wieder tief ab. Einmal mit Zuckerwasser begonnen, ist es schwierig danach den Haushalt im Gleichgewicht zu halten. 

    Wasser habe ich auf ein Minimum reduziert, da zu viel Wasser ausschwemmt und man zu Einlagerungen neigt. Meine Energiebilanz zum Schluss: 10.000 verbrannt, 9.000 zugeführt! Also die Rechnung ist aufgegangen. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich zum Schluss ziemlich gezwungen werden musste und ich die letzten Stunden etwas Verdauungsschwierigkeiten hatte. Also hier gibts auch bei mir noch ordentlich Potenzial, zu optimieren. Prinzipiell ist das Konzept für mich aber stimmig!  

    Müdigkeit - Treten, treten, treten!

    Bei 24 Stunden kommt das Thema Müdigkeit noch nicht wirklich zu tragen, aber man sollte sich hier schon ein paar Gedanken machen! Früher war es ja auch kein Problem eine Nacht lang durchzufeiern und dann direkt arbeiten zu gehen. 😉 Feiern oder 24 Stunden Rad fahren sind hier dann doch zwei Paar Schuhe! Ich habe mich in der Vorbereitung dazu entschieden, auf meinen heißgeliebten Kaffee zu verzichten. Der Körper braucht 8 Wochen, um sämtliches Koffein im Körper abzubauen. Also 8 Wochen vor dem Rennen habe ich einen Koffeinentzug gemacht. Unglaublich, wie abhängig mein Körper davon war. Kopfschmerzen, extreme Müdigkeitseinbrüche am Nachmittag und meine Laune dezent gereizt. Nach 2 Wochen hat sich aber mein Körper daran gewöhnt. Warum habe ich das gemacht?

     

    Ich habe während dem Rennen (nach 10 Stunden im Sattel) Koffeintabletten zu mir genommen. Koffeintabletten sind hoch dosiert und sind vergleichbar mit 3 Tassen von einem hervorragenden Espresso. Der Energieschub ist spürbar und die Konzentration für die Abfahrten voll da! So konnte ich nach 440 Kilometern noch immer den Pass runterrasen ohne Angst haben zu müssen, dass ich unkonzentriert wäre. Feuer frei!

    Alkohol ist auch keine Lösung

    Als Hobbyradlerin trinke ich gerne mal einen erfrischenden Radler nach einer Ausfahrt. Gemütlich in der Runde sitzen und über die tolle Ausfahrt philosophieren. 3 Monaten vor dem Rennen habe ich auf sämtliche Feierabendrunden verzichtet. Und erstaunlicherweise sind meine Leistungsdaten um einiges besser geworden, obwohl ich beim Training kaum etwas umgestellt habe. Nur um eines klarzustellen. Ich trinke nicht regelmäßig und auch schon gar nicht im Übermaß, aber anscheinend haben selbst kleine Mengen Alkohol massive Auswirkungen! Also: Don`t drink and ride!

    Begleitfahrzeug - Dein Versorgungsschiff

    Das Begleitfahrzeug oder auch Pacecar genannt befindet sich während dem Rennen immer hinter Dir. Man kann es minimalistisch angehen und einfach mit einem großen Kombi versuchen. Ich habe freundlicherweise von einem guten Freund einen Bus geliehen bekommen. Da dieser Bus zum Campen benutzt wird, war er schon perfekt für mich ausgebaut. Schubladensystem, elektrische Kühlbox, Schlafmöglichkeit und mein Ersatzrad und Reservelaufräder haben auch genügend Platz. Wichtig ist noch die Blinklichtanlage, die bei solchen Rennen vorgeschrieben ist. Wir haben (besser gesagt Thomas der eigentlich Team Strasser begleitet) einen Verteiler für den Zigarettenanzünder organisiert. Damit konnten wir die Blinklichtanlage, elektrische Kühlbox und den ganzen anderen Krimskrams ohne Probleme laden und mit Strom versorgen. Auf eine zusätzliche Beleuchtung haben wir verzichtet, wer allerdings ein Rennen über mehrere Tage geplant hat, dem sei dies empfohlen, da hier die Nacht zum Tag gemacht wird! 

    Musik in meinen Ohren - Die Funkverbindung

    Hier kann man es durchaus wieder minimalistisch mit einem Handy und Kopfhörer angehen. Ich habe mich aber entschieden, hier auf professionelle Produkte zu setzen. Meine Kopfhörer (SENA) sind Intercomgeräte, die es mir und meinem Team ermöglicht haben, permanent im Kontakt zu sein. Die Geräte lassen sich auch während dem Einsatz laden und somit ist gewährleistet, dass eine dauerhafte Sprechverbindung besteht. Das Beste für mich persönlich: Die Musik lässt sich teilen und ich musste mir während dem Rennen keine Gedanken um eine passende Beschallung machen! Let´s dance!

    Rund ums Radl und auch Wadl

    Ich glaube jeder von uns weiß, was er zum Radfahren benötigt! Hier werde ich etwas wortkarg auf die Materialliste verweisen! Eine kleine Anmerkung meinerseits: Da die Planung und Vorbereitung Wochen vor dem Start gemacht werden und man keine Einschätzung über das Wetter treffen kann, ist es durchaus sinnvoll, sich für Regen, Schnee, Wind und Wetter gut auszurüsten! Das Material und die Bekleidung ausreichend testen und nichts dem Zufall überlassen! Wenn man es nicht braucht, auch schön.

    Ich habe in der Vorbereitung das Privileg gehabt, von einem echten Profi, Christoph Strasser, Tipps zu erhalten. Es war für mich auch ein großer Vorteil, dass Thomas und Martin erfahrene Betreuer sind! Ich möchte hier meine Erfahrungen mit Euch teilen und vielleicht ist das eine oder andere hilfreiche für Dich dabei! Wenn nicht: Hilfts net, schadet`s net!

    Hier nun die Checkliste für dein Abenteuer:

    Rund ums Auto

     
    • Auto
    • Orange Blinklichter 2 Stück
    • Zigarettenanzünder Verteiler mit USB
    • Powerbank 2 Stück
    • Stecker Mini USB, USB-C
    • Elektrische Kühlbox
    • Organisationsboxen (ausreichend beschriftet
    • Navigationsgerät
    • Altes Handy mit Backup Strecke
    • Musikwünsche
     
    • Beklebung Achtung Rennen und Routebook
    • Handtücher 
    • Decke und Alurettungsdecke
    • Aufblasbare Matratze
    • Schlafsack
    • Stirnlampen
    • Warnwesten

     

    Rund ums Radl

     
    • Helm, Wechselhelm
    • Lichter (Front Garmin, Back Bodenstrahler)
    • Reserve Lichter Back
    • Reserve Licht Front
    • Akku (leicht und klein für Trikottasche)
    • Fahrradcomputer
    • Ersatzschläuche 
    • Ersatzrad oder Bergrad 
    • Reserve Laufräder
    • CO2 Kartuschen
    • Luftpumpe 
    • Reifenheber
    • Imbusset
    • Kettenöl
    • Ersatzkette
    • Kettenschloss
    • Kettennieter
    • Regenblech
    • Montageständer
    • Reinigungsmittel
    • Panzertape 
    • Reflektorenbeklebung

     

    • genügend Trinkflaschen

    Rund um die Rennradlwadl

     
    • Regenhose kurz/lang
    • Regenjacke
    • Windjacke
    • Gilet
    • Ärmlinge dünn/dick
    • Beinlinge dick
    • Knielinge
    • Schlauchschal 
    • Stirnband/Haube
    • Überschuhe 
    • Handschuhe 2 Paar
    • Sport BH 2 Stück
    • Helmüberzieher 
    • Haargummis
    • Zahnbürstl
    • Socken kurz/lang je 2 Paar

    Notfallbox:

     
    • Sterile Wundauflagen
    • Eisspray
    • Kompressen
    • Wundspray, Wundcreme
    • Pinzette
    • Netzverband
    • Tape (bereits vorbereitet und geschnitten)
    • Massageöl und Salberl
    • Vaseline (Wasserschutz)
    • Schmerztabletten (Aspirin für das Team)
    • Nasenspray
    • Lutschtabletten
    • Mobile Schiene
    • Toilettenpapier
    • Feuchtes Toilettenpapier
    • Koffeintabletten 
    • Buscopan (Bauchkrämpfe)
    • Effortil (Übelkeit)
    • Wärmepflaster
    • Wärmflasche
    • Wollsocken (für Nickerchen)
    • Coolpack (4 Stück)
    • scharfe Kaugummis

    Ernährung für die Rennradlwadl und Team

     
    • Müsliriegel
    • Nüsse/Studentenfutter
    • Wasser Tray
    • Cola/Eistee
    • Bananen
    • Energiedrinks
    • Kaffee
    • Nudeln
    • Jause für das Team

     

    Viel Erfolg und allzeit stramme Wadl!

     

    Bei Fragen freue mich sehr über eine E-Mail von Dir!
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    #wecreateemotions Race Around Austria
  • Meine Abenteuer

    Race Around Austria- Erfahrungsbericht

    Mein Erfahrungsbericht bei einem Ultra-Radrennen am Start zu stehen.

     

    Nach Monaten der Vorbereitung und kurzfristigen Entscheidung, Solo an den Start zu gehen, war es endlich soweit: Lassen wir das Abenteuer beginnen!

     

    Aber starten wir mal ganz von vorne!

    Renntag: Halb 12 in St. Georgen im Attergau, ich habe echt zu tun meine Bauchkrämpfe mit tiefen Atemzügen in den Griff zu bekommen. Ich verfluche mich innerlich manchmal doch eine Frau zu sein. Durch die ganze Nervosität und Aufregung habe ich ungeplant in der Nacht vor dem Rennen meine Periode bekommen. Nervig und auch ziemlich schmerzhaft. Krampflösende Mittel sind gänzlich verboten (Doping). Meine Laune und Gemütslage sind trotzdem extrem positiv und wie immer bin ich etwas quirlig. Ich freue mich so sehr auf das Rennen, dass ich meine Schmerzen mit Lachen überspiele und bei den letzten Vorbereitungen und Geplapper echt gut gelaunt bin. Mein Team steckt mich nochmal ins Bett. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich 3 Stunden vor dem Start tatsächlich noch über eine Stunde schlafen kann. Mit einem großen Grinsen schlüpfe ich in meine Radklamotten, creme mich mit Sonnenmilch ein, positioniere den Helm und den Funk, esse nebenher noch ein paar Nudeln und schon sitze ich im Pacecar!

    Ich: 4 Jahre altes Rad mit Kratzern von meinen Ersten Ausfahrten, wie ich noch lernen musste, dass ein/ausklippen ein Kunst für sich ist”

    Wir (Martin, Thomas und Isabella) fahren mit dem Begleitfahrzeug nun nach St.Georgen. Durch die COVID-Schutzmaßnahmen müssen wir uns nun verabschieden. Mein Team bleibt im Auto und reiht sich für die Startaufstellung ein. Ich rolle zum Start und bin mehr als gut drauf! Ich plaudere ein bisschen mit anderen Fahrern und dann ist es auch schon so weit. Die Rennleitung weist uns  Fahrerinnen für die Startaufstellung ein. Schutzmaske rauf und hinter der Bühne warten. Mein Blick schweift zu den anderen. Ich komme mir ziemlich doof vor, wie ich mein Rad mit den anderen vergleiche. Zeitmaschinen, Scheibenbremsen, Carbonaufleger, Laufräder mit Scheiben und die Räder gewichtsoptimiert. Ich: 4 Jahre altes Rad mit Kratzern von meinen ersten Ausfahrten, wie ich noch lernen musste, dass ein-/ausklippen eine Kunst für sich ist. 

    Mit den meisten wechsle ich noch ein kurzes Wort, ein schnelles viel Glück und stramme Wadln! Und dann heißt es für mich die Schutzmaske weg und rauf auf die große Bühne! Ich bin so gut gelaunt, dass ich mit einem großen Grinsen auf die Bühne gehe. Die Frage, ob es Vorfreude ist, ergänze ich mit “Ja, Vorfreude mit ein bisschen Angst”. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch nie so eine Distanz geradelt, geschweige denn 6500 Höhenmetern gestrampelt und schon gar nicht durch die Nacht gefahren. Also ja: Die Freude und die Lust darauf sind riesig, aber ich habe auch etwas Schiss.

    Und dann geht's los, mit einer dynamischen Abfahrt über die Startrampe, Menschen die mir zujubeln. - Die Aufholjagd beginnt! Lassen wir meinen Traum wahr werden!

    Auf Wiedersehen St. Georgen, wir sehen uns hoffentlich bald wieder! Die Funkverbindung knistert und ich höre die ersten Worte: “Anna, wir sind hinter dir! Lass ma’s krachen!

    “Anna, fahr dein Tempo, lass dich nicht stressen! Wie viel Watt hast’ gerade drauf?” fragt mich Martin. Und das ist auch gut so, denn ich bin ziemlich gestresst und trete mehr als ich geplant habe. Also runter vom Gas und etwas Druck raus! Ich merke bereits nach den ersten Kilometern, dass meine Bauchmuskulatur durch meine Periode ziemlich verkrampft ist und suche nach der perfekten Sitzposition um schmerzfrei fahren zu können! Gefunden! Das Tempo ist unfassbar schnell, die Frauen geben alles! Ich arbeite mich in meinem Leistungsbereich nach vorne, Fahrerin um Fahrerin kann ich bergauf überholen! In den flachen Passagen überholen mich wieder die Zeitfahrmaschinen mit ihrem charakteristischen wummern. Es stört mich überhaupt nicht, da ich weiß, dass meine Stärke im Bergfahren liegt und nicht im Flachen! Beim nächsten Hügel zieh ich wieder vorbei und dann ist es so weit, ich habe meine Position fürs Erste gefunden! Ich lande auf Platz 3 und lasse mich nicht mehr überholen – zumindest fürs Erste. Unglaublich, ich fühl mich fit und das Tempo ist wahnsinnig schnell! 

    Die Betreuung vom Auto aus funktioniert prima! Meine Wegbegleiter haben alles perfekt im Griff! “Anna, es ist wieder Flüssigpapperl-Zeit! Magst Schoko? Und welchen Geschmack magst beim Isoton?” 

    Wir haben im Vorfeld einen Ernährungsplan aufgestellt und mein Team hat den kompletten Überblick! Ich muss mich nur auf meine Beine konzentrieren! Kein Denken und planen, ich widme mich einfach der schönsten Sache der Welt: Radfahren!

     

    “Mit dem charakteristischen wummern überholen mich die Zeifahrmaschinen”

    Kurzer Zwischenstopp, die Nacht bricht an und ab sofort bleibt das Begleitfahrzeug immer hinter mir! Ich bin froh, dass ich im Vorfeld die Beleuchtung ausreichend getestet habe und bin mir sicher, dass ich keine Probleme haben werde! An der Donauschleife geht so richtig die Post ab! Fans und Begleiter klatschen und rufen mir zu! Die Stimmung ist einfach der Wahnsinn und meine Trittfrequenz echt beachtlich! 

    Jetzt kommt für mich der Teil, von dem ich mich am meisten gefürchtet habe! Das Mühlviertel mit seinen harten Anstiegen und scharfen Abfahrten! Aber hey, ich habe Rennradlwadl und werde das Kind schon schaukeln! An der Strecke stehen immer wieder Menschen und feuern mich an! In manchen Dörfern geht so richtig eine Party ab! Die Zeit vergeht und ich höre Jubelrufe aus dem Pacecar!

     

    “Anna, du hast die 200 Kilometermarke nun erreicht!!! Und das schneller als geplant!”

    Meine Zielzeit für Ulrichsberg waren 9 Stunden. Ich habe das Dorf in 7 Stunden und 30 Minuten durchfahren! Unglaublich, ich kann’s gar nicht fassen. Schön langsam kommen mir Gedanken in den Sinn, dass ich es womöglich unter 24 Stunden schaffen könnte. Mir ist aber auch gleichzeitig bewusst, dass noch viel passieren kann …und auch wird!

     

    Ich habe die Strecke genau im Kopf und weiß, dass ich mich noch nicht zu früh freuen darf: Der Guglwald wartet noch auf mich, bevor die Strecke wieder flacher wird! Ich merke, dass sich meine ungewohnte Sitzposition durch die Bauchkrämpfe schön langsam bemerkbar macht! Bei der Auffahrt merke ich, dass mein Rücken ziemlich schmerzt. Durch den Aufleger kann ich auch leider nicht mittig greifen und versuche mich so gut es geht am Rad zu strecken! Martin merkt sofort, dass etwas bei mir nicht stimmt. “Anna, gehts dir gut?” Ich antworte, dass mir der Rücken gerade “leichte” Probleme bereitet. Ich will ja auch nicht zugeben, dass ich kurz vor Tränen in den Augen stehe. Nach dem Motto: Was ich nicht ausspreche, passiert auch nicht!

    Wir beschließen, einen kurzen Stopp zu machen und meinem Rücken etwas Entlastung zu gönnen! In diesem Moment ist es mir gerade auch komplett egal, dass ich überholt werde. Thomas hebt mich mit eingehängten Armen – Rücken an Rücken – hoch. Klack, klack, klack jeder Wirbel knackst und auf einmal schießt mir ein heller, unbeschreiblicher Schmerz ein. Mein Körper – sichtlich überfordert – schaltet sich aus – Standbymodus. 

    Ich werde wieder munter, wie Thomas mir sanft die Wange tätschelt. “Anna, du bist kurz zusammengebrochen. Wir setzen dich in den Bus!” Ich bin sofort wieder klar bei Sinnen. Der Schmerz ist weg. Ich sehe aber die besorgten Gesichter meines Teams. Für mich ist aber das Rennen nicht beendet! Isabella checkt meine körperlichen Funktionen und nachdem uns klar ist, dass es sich nicht um einen Bandscheibenvorfall handelt, werden mein Rücken und meine Knie getaped. Einen Müsliriegel noch in die Futterluke gestopft und weiter gehts! Aufgeben können andere! 

    Ganz nach dem Motto #fearlessfemalecyclist

    Ich habe wieder meinen Flow gefunden, aber die Schmerzen im Rücken und Knie sind dezent ausgedrückt: Beschissen! Im Josefstal dränge ich mein Team wieder zu einer Pause. Der Tampon drückt mich so sehr, dass es für mich unmöglich ist, am Aufleger eine gute Position zu finden. OK, das funktioniert nun auch nicht mehr. Die dümmste Idee: Einlage in die Hose! Liebe Leute, ich kann euch eines sagen: Das reibt, und zwar so richtig! Ich quäle mich noch einige Kilometer weiter, muss nach kurzer Zeit wieder eine Pause machen. Ich bin erschöpft und die Moral ziemlich im Keller, wie ich von einigen 2er Teams überholt werde! Klar waren das Teams, aber es fühlt sich nicht gut an! Beim letzten nennenswerten Anstieg vor dem Hengstpass (Kilometer 325) legt mein Team für mich eine Matratze hin. Isabella versucht mit ein paar Handgriffen meinen Rücken zu entspannen. Thomas und Martin wird klar, dass es für mich noch ein langer Kampf werden wird!

    Und irgendwie schaffe ich es dann doch: Meine gute Laune kommt wieder retour, die Motivation gewinnt wieder die Oberhand und ich starte neu durch! Aktuell befinde ich mich auf Platz 5. Aber ganz ehrlich: Es ist mir auch ziemlich egal! 

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    “Aufgeben können andere! 

    Ganz nach dem Motto #fearlessfemalecyclist”

    Ich radle weiter, dem Sonnenaufgang entgegen! Langsam, aber stetig! Für uns war es klar, dass ich in meiner Situation keinen Druck gebrauchen kann und so machen wir öfter kurze Pausen. Nach jeder Pause habe ich wieder neuen Elan und beiße mich weiter durch! Währenddessen mache ich mir Gedanken, wie sich wohl mein Team fühlt! Diese Armen, müssen hinter mir im Schneckentempo her. Martin hat leider auch mit Bauchschmerzen zu kämpfen. Aber sie sind so professionell und haben es geschafft, dass ich kaum etwas davon mitbekomme! 

    Und dann war sie da, die magische 400 Kilometermarke! Yeahhh, ich kann es kaum glauben und vergesse sogar für einen kurzen Augenblick, dass mein Körper sich am Limit befindet! So, jetzt gehts los! Der Hengstpass steht am Programm! Nicht steil, nicht wild, aber nach 420 Kilometern doch eine Herausforderung! Irgendwie schaffe ich es trotzdem, dort hochzukommen! Meine Motivation ist wieder voll da. Vielleicht war es auch die Aussicht auf eine normale Toilette, um mich mal entspannt hinsetzen zu können! Oben angekommen, warten bereits Sandra und Jürgen von Veloine auf mich. Unglaublich, ich bin so gut gelaunt, dass ich sogar zum Scherzen aufgelegt bin. Bei der kurzen Pause rechne ich mit Martin kurz rum!

    Das Ergebnis: Es könnte tatsächlich klappen, in 24 Stunden ins Ziel zu kommen!

    Wirklich?! Ernsthaft, ich bin noch etwas skeptisch!

    “Kilometer 400, yeahh ich kann es kaum glauben und vergesse für einen kurzen Augenblick, dass sich mein Körper am Limit befindet”

    Abfahren, ja das kann ich! Ich rase mit 84 km/h den Hengstpass runter und bin wieder voll da! Mein Team kämpft mit dem Begleitfahrzeug, dass sie hinter mir bleiben! Die Karenzzeit von Windischgarsten schaffe ich locker.

    Fast zu euphorisch fahre ich weiter! Merke aber rasch, dass ich nicht mehr sitzen kann und dränge wieder zu einer Pause. Ich setze mich ins Pacecar, bewaffnet mit einer Wundcreme und betrachte meinen Intimbereich. Das einzige, was ich nur rausbringe, ist ein gequältes: Oje! Hilft nicht, da muss ich jetzt durch! Währenddessen bemerke ich auch, dass die Hitze immer mehr zunimmt.

    Vor dem Ziehberg bettle ich schon wieder um eine Pause! Ich lege mich ins Gras und mein Team versucht meine Wadl zu massieren und meinen Körper wieder auf Normaltemperatur zu bringen! Wasser Marsch! Daneben gesellt sich noch ein männlicher Solostarter zu mir. Es macht mir Mut, dass er sich gerade auch ein wenig quält! Ich denke mir, dass kaum jemand solch ein Rennen ohne Probleme bestreiten kann!

    Ich werde noch von der spanischen Meisterin im 24 Stunden Rennen überholt. Mir wurscht, ich will nur noch ins Ziel! Mit Rang 6 lebt es sich auch prima. 

     

    Leistungstechnisch kann ich noch ordentlich Druck auf die Pedale bringen, aber körperlich fühle ich mich am Ende! Oben am Ziehberg angekommen, warten meine Mama und Schwester auf mich! “Geht scho Anna, nurmehr 100 Kilometer!” Ich antworte kurz und knapp, dass 100 Kilometer noch extrem weit sind! Um nicht zu sagen: Scheiß weit!

    Ich presche wieder vollgas die Abfahrt hinunter! Nach ein paar Kilometern macht sich wieder ein komisches Gefühl in mir breit! Ich brauche schon wieder eine Pause. Das Abweichen von meinem ursprünglichen Ernährungskonzept beginnt sich zu rächen! Wir suchen ein Platzerl und Thomas holt kaltes Wasser aus einem Bach, um mich abzukühlen! Ich kann nicht mehr in den Bus einsteigen. Diese verdammten 40 cm sind einfach zu anstrengend! Thomas hebt mich hinein und mein Kopf schaltet sich aus. Ich döse für 4 Minuten ein. Wache aber sofort wieder auf. Wir sind hier auf einem Rennen, weiter gehts! Im Nachhinein habe ich erfahren, dass ich komplett neben der Spur war. Die Antworten glichen eher einer dementen, alten Dame, als einer 32-jährigen, die fit ist. In meinem Kopf war ich allerdings sehr klar… Spannend, diese Wahrnehmung!

    Kurz vor Gmunden feuerte mich meine gute Freundin Veronika an! Ein Engel in meiner Not! Ich bin schon wieder zum Scherzen aufgelegt. Aber die nächste Zwangspause kam schneller, als ich mir erhofft hatte. Bei der stark befahrenen Umfahrung von Gmunden musste mein Körper wieder auf Betriebstemperatur runtergekühlt werden! Meine Freundin besucht mich nochmal: “Anna, des packst jetzt noch! Nimma weit!!! Hol dir den Holzklotz!”

    Gesagt getan, ich sitze wieder am Rad! 

    “Anna, bist du schon jemals 500 Kilometer g’radelt?” “Nein, noch nie!” Jetzt aber schon, beiss eini” höre ich über den Funk. Der letzte Anstieg wartet auf mich! Eine Qual! Rückenschmerzen, Knieschmerzen, hohe Temperaturen und die Verdauung, die ein Eigenleben entwickelt hat, machen mir den Anstieg besonders schmerzhaft! 

     

    Vor dem Rennen hat jemand zu mir gesagt: Genieß es! Jaja, ich genieße im Schneckentempo Höllenqualen 😉

    Mein Team muss ordentlich in die Trickkiste greifen, um mich zu motivieren. Sie laufen neben mir her, reden mir gut zu, lesen mir all die wunderbaren Nachrichten vor, um mich weiter nach oben zu treiben. Thomas läuft neben mir und ich traue mich sagen, dass ich oben aufgeben werde! 40 Kilometer vor dem Ziel! 

    “Magst a bissi weinen?” “Ja, i pocks nima!” “Anna, es fahren grad alle mit dir den Berg hoch! Alle sitzen daham vorm Livetracker und fiebern mit dir mit! Du machst des net allein! Es sind alle bei dir“ “I weiß, die ganzen Nachrichten sind so wahnsinnig schen!” “Anna, du hast dir das verdient! Komm, des schaff ma noch! Oben reden wir dann weiter und entscheiden. Komm schon, a bissi noch!” 

    Sandra und Jürgen feuern mich an, Hanno von Haix ruft mir zu und mein Team freut sich, dass ich oben angekommen bin! Ich steige vom Rad und lasse mich wieder ins Pacecar verfrachten. 

    Verdammt, ja! Ich habe es mir verdient! Ich habe Monate darauf trainiert, St. Georgen ich komme! Bei der Abfahrt hole ich mir wieder Energie! Der Spaßfaktor ist zurück! 

    30 Kilometer noch, ich plappere wieder vor mich hin. Woher kommt wieder diese Energie? Ich hangle mich von Toilettenpause zu Toilettenpause! Baba Attersee, hallo Mondsee! Ein Schupfer noch und dann werde ich mit Rückenwind belohnt! 

    Die letzten Kilometer rase ich mit 40 km/h dem Ziel entgegen! 

    Und dann: FINISH LINE! Die Zeit ist gestoppt und ich rolle über die Ziellinie! 

    Über meine Kopfhörer höre ich Fiva “Das Beste ist noch nicht vorbei” und der Wind ja er trägt mich, wenn mir der Atem bereits fehlt! 

    Ich werde vom RAA-Team direkt übernommen und fahre durch die Ortschaft dem Motorrad hinterher. Applaus aus den Gastgärten und dann endlich der Moment, den ich mir in allen Facetten bereits vorgestellt habe! Ich fahre auf die Zielrampe! Konfettiregen und Rauchschwaden! “I pocks grod gor net!” Ist der erste Satz der über meine Lippen kommt, bevor die Freudentränen ausbrechen. Ich habe bei diesem Rennen alle Emotionen durchlebt, die man erleben kann! 

    Nach dem Interview ist endlich der Moment gekommen! Ich umarme alle, freue mich und habe alle Schmerzen bereits wieder vergessen! 

    Meine Schwester organisiert uns ein Bier und wir stoßen darauf an! 

    Wir haben es geschafft! Die Betonung liegt auf WIR. Um nochmal Fiva zu zitieren: Ohne den mentalen Rückenwind, den mir mein Team während dem Rennen geschickt hat, wäre es unmöglich gewesen.

    Ich weiß nun, dass ich solche Rennen bestreiten kann, den Kampfgeist habe und prinzipiell auch körperlich in der Lage bin. Trotzdem war es die härteste Herausforderung, die ich je gemeistert habe! Und das mit Platz 6 und einer Zielzeit von 24 Stunden und 51 Minuten!

     

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    Nun zu den Fakten und knallharten Zahlen!

    • Kilometer: 560
    • Höhenmeter: 6500
    • Gesamtzeit: 24 Stunden 51 Minuten
    • Fahrtzeit: 22 Stunden 5 Minuten 
    • Durchschnittliche Trittfrequenz: 80 U/min
    • Maximalgeschwindigkeit: 84 km/h
    • Durchschnittliche Leistung: 135 Watt
    • Wattleistung 20 Minuten: 186 Watt
    • Kalorienverbrauch: 9395 KJ
    • Schlafzeit: 4 Minuten 
    • Beschallung: Drum and Bass und gute Laune der Crew

    Ernährung

    2 Tage nach dem Rennen war mein Körper wieder völlig fit! Keine Beschwerden, nicht ausgelaugt, sondern nur gut drauf! Unfassbar! Ich weiß jetzt, dass die körperlichen Schwierigkeiten während dem Rennen der Sitzposition geschuldet waren und nicht einem Mangel an Training. Man sieht also, welche Verkettung mit einer unglücklichen weiblichen Situation einhergehen kann! So oder so: Hätte, hätte Fahrradkette, danach kann man immer leicht reden. 😉 

    Ich für meinen Teil habe von Anfang an gesagt: Ich gebe mein Bestes, ob es für das Ziel reicht oder nicht. Und das ist mir gelungen! 😊

    Mein größtes Abenteuer, das ich mit dem BESTEN Team erleben durfte!
    Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen und ich würde vermutlich noch immer am Ziehberg im Schatten liegen! 
    Danke an Veloine und HAIX für den Support und professionelle Medienarbeit an der Strecke, danke an meine Familie, die für mich Konfetti hat regnen lassen! Danke für die unzähligen Nachrichten und danke an alle, die mitgefiebert haben! 
     
    Danke Isabella für deine Unterstützung und heilenden Hände!
    Danke Martin für die ruhige und stetige Motivation, mich weiter zu bringen!
    Und danke Thomas, dass du mich in all meinen Vorhaben unterstützt: Ich liebe Dich! 
     
    DANKE AN ALLE PARTNER! ❤️
    Und nun? Auch motiviert?
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    Kilometer
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    #wecreateemotions
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    Race Around Austria- Jetzt aber Solo

     

     

     

    Meine Gedanken und Überlegungen für eine SOLO-Teilnahme bei der “Race Around Austria – Challenge“. Wie sehr mich die Coronakrise betroffen hat und ob ich es wage alleinen 560 Kilometer zu fahren… Kannst Du hier in den nächsten Zeilen finden!

    Fuck you Corona, jetzt erst recht!

    Es kommt immer anders als man denkt! So auch die Teilnahme bei der Challenge von Race Around Austria. 

    Im Herbst 2019 starteten Lisa Brunnbauer und ich gemeinsam unser Projekt. Planung, Vorbereitung und intensives Training absolvierten wir die darauf folgenden Wochen und Monate. Wir fühlten uns Fit und gut organisiert und hatten richtig Bock auf den Start im Zweier Team.

    Und dann traf uns die Coronakrise mit einem Schlag. Befremdliche Begriffe wie Epidemie, Lockdown und Panik vor ausgehenden Toilettenpapier und Konservendosen dominierten die Nachrichten. Ein Aufruf der Regierung zu Hause zu bleiben! Soweit so gut, dann absolvierten wir das Training eben Indoor. Rollen am Balkon hat durchaus seine Vorteile. Durch das ausbleiben meiner Arbeit wurde das Trainingspensum massiv erhöht und Lisa wurde in der Arbeit mehr gebraucht denn je! 

    Die schlechte Nachricht das Lisa nicht beim Rennen teilnehmen kann, traf uns mit voller Wucht! Aus, vorbei und verschwendete Liebesmüh! 

    Nach dieser Nachricht musste ich ein paar ein Tage mein Gedanken sortieren. Eine Auszeit vom Training nehmen und die aktuelle Lage richtig reflektieren. Zuerst überkam mich Wut und danach holte mich die Enttäuschung in die knallharte Realität zurück.

     

    “Pure Emotion und der ultimative Adrenalinkick”

    Ich bin schon immer ein Mensch der sich gerne auf Fakten stützt und so auch Entscheidungen trifft. 

    • Fakt ist: Ich habe mich Monate darauf vorbereitet.
    • Fakt ist: Andere Hobbys wurden hinten angestellt.
    • Fakt ist: Man ganzes Herzblut steckt in diesem Projekt!

     

    Fuck you, Corona! Jetzt erst recht! 

    Evaluieren, Planen und die Strategie überdenken!

    Nun hieß es für mich eine Evaluierung zu machen, was überhaupt notwendig für einen Einzelstart war. Reserverad? Laufradsatz? Reparaturkit? Crew?

    Das wichtigste war vorrangig, ob mein Team mich auch in dieser Sache unterstützen wird! Etwas verrückt war es nun mal schon. Von einer Nullnummer und Hobbyrollerin gleich 560 km am Stück hinlegen zu wollen! 

    Und wie sie alle Bock hatten! Das positive Feedback animierte mich noch weiter zu recherchieren. Bin ich auch gut genug in Form? 280 Kilometer zu radeln, ja das weiß ich, das kann ich! Auch in einer passablen Zeit, aber wie sieht es dann bei 560 Kilometern aus. Ich holte Rat und Tipps bei Freunden, die schon mal solche Rennen absolviert haben. Ihre Tipps und aufmunternden Worte motivierten mich!

    Bei diesem Rennen sind für mich als Rookie extrem viele Unbekannte die ich nicht abschätzen oder einordnen kann. Wie verhält sich mein Körper bei Schlafentzug, klappt das Ernährungskonzept oder reißen die Nerven wenn ich von allen Teilnehmern überholt werde? Wie gehe ich mit Schmerzen um und habe ich überhaupt das Durchhaltevermögen, wenn mir womöglich 24 Stunden der Regen ins Gesicht peitscht? 

    Optimisten leben länger!

    ABER: Ich bin ein Optimist und kann mich über meine Grenzen hinauswagen. Ich weiß wie es sich anfühlt das vermeintliche Limit vor sich zu haben und dann doch über sich hinaus zu wachsen! 

    Ich kann und werde das schaffen! Ich bin bestimmt nicht die Schnellste, aber für mich es das Ziel klar definiert: So schnell ich kann und gesund das Ziel in der Karenzzeit erreichen. Wenn ich jetzt schon daran denke, fühle ich in die kleinste Zelle meines Körpers Gänsehaut! #wecreateemotion 

     

    Und wenn ich es mir schon vorstellen kann, spricht auch nichts dagegen das Ding auch wahr werden zu lassen, oder was meint ihr? 

     

    Wir sehen uns bald in 

    St. Georgen im Attergau!

    Sei LIVE dabei und verfolge mein Abenteuer auf meinem Instagram-Profil!

    Start: 12.August 2020 

    "Race Around Austria - Die Challenge"
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    Emotionen
  • Meine Abenteuer

    RaceAroundAustria

    Wer kennt das nicht, die Aufregung und Nervosität, wenn man sich in unbekannte Gefilde wagt?
    Neues ausprobieren und sich ins Abenteuer stürzen, das klingt nach mir und deswegen habe ich beschlossen mich der Herausforderung im Bereich Ultracycling zu stellen und das Ding auch zu rocken!

    Die Entscheidung, bei welchen Rennen ich das Abenteuer versuchen werde, war mir von Anfang an klar! Das “Race Around Austria- Die Challenge” bietet für mich als Einsteiger die perfekten Voraussetzungen, um mich auch mal mit anderen Messen zu können und über meine eigenen Grenzen hinauszuwachsen.

    Das Rennformat bietet alles, was mein Radlerherz und meine Wadl lieben.
    Eine perfekte Mischung aus traumhafter Umgebung, flachen und hügeligen Abschnitten und manchmal auch ein kleiner Stich das mein Herz höher schlagen lassen wird!

    rptnb

     

    Teamspirit, hautnah erleben!”

    Für mich war es wichtig, nicht Runden im Kreis zu drehen, sondern eine abwechslungsreiche Strecke zu erleben und meine Taktik auch dementsprechend verändern zu müssen.
    Das Erste was meine Planung erforderte, war, ob ich das Ganze alleine bewältigen wollte oder ob ich es im Team machen würde! Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, da beides seine Vorteile und auch Nachteile mit sich bringt.

    Wenn ich das Rennen alleine absolviere, bedeutet es natürlich auch, dass alles zu 100% von mir abhängt, ob das Team im Ziel die Korken knallen lassen kann. Die Last der Organisation würde auch nur von mir abhängen. Der große Vorteil bei der Solo-Teilnahme: Ich müsste mich mit niemanden abstimmen und kann wie gewohnt mein Ding durchziehen, klingt etwas egoistisch- ist aber auch so 😉

    Was sich für mich ganz klar bei meinen Überlegungen als Nachteil herauskristallisiert hatte: Allein ist es halb so schön. Erfahrungen mit jemanden zu teilen und gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, bereitet mir einfach noch mehr Freude. Für mich ist die Entscheidung deswegen für die Teilnahme im Team gefallen, nicht, dass ich es nicht alleine bewältigen könnte, aber ich finde es ein tolles Projekt und auch die Herausforderung mit unterschiedlichen Charakteren auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

    Durch Instagram bzw. einer anderen Bloggerin lernte ich die Münchnerin Lisa Brunnbauer kennen. Wir kannten uns bei Projektstart nicht persönlich, schrieben und telefonierten des Öfteren und nach einer sehr kurzen Entscheidungsphase sind die Würfel gefallen: Wir starten im 2er Team!
    Aber wie schafft man es nun, einen gemeinsamen Nenner zu finden, wenn man sich
    1. nicht kennt, 2. komplett unterschiedlich ist und 3. in verschiedenen Staaten lebt?

    “Die Würfel sind gefallen: Start im 2er Team”

    Die Krux an der ganzen Planung, auch wenn das Team noch so unterschiedlich ist, das ganze Projekt so zu planen, dass es eine Runde Sache wird.
    Die Projektplanung hat bei uns deswegen so gut geklappt, da wir beide vom Typ her Menschen sind, die nicht reden, sondern auch handeln, kompromissbereit sind und einfach Spaß an der Herausforderung haben.


    Wir machten uns einen strukturierten Plan, welche Vorkehrungen wir treffen müssen, um überhaupt starten zu können.
    Damit wir wussten, welche Herausforderungen für die Organisation und Kosten auf uns zukommen würden, haben wir verschiedene Seiten des Rennens genauer beleuchtet:

    Grundvoraussetzung für den Start beim Rennen:

    • Nenngeld
    • Pace-Car mit Treibstoff 
    • unsere Rennräder
    • Begleitteam
    Kosten rund um das Rennen:
    • Ernährung 
    • Ersatzteile für unsere Räder
    • gute Beleuchtung 
    • Ersatzlaufräder
    • Bekleidung für alle Wetterverhältnisse
    • Nächtigung vor und nach dem Rennen (natürlich auch für unser Begleitteam)
    • Teamtrikots

    Vorbereitung und Training für das Rennen:

    • Winterbekleidung, um auch das Training im Winter fortzusetzen
    • 3 tägige Strecken
    • Erkundungstour im Frühjahr
    • Trainingslager
    • Leistungsdiagnostik und Ernährungskonzept von Experten

    Uns wurde bei genauerer Evaluierung klar, dass die Kosten für das Rennen nicht gerade ein “Pappenstiel” sind, daher haben wir uns Gedanken bezüglich Unterstützung gemacht und genauere Planung bzw. Zeitmanagement bezüglich Training betrieben.
    Da wir beide noch Greenhorns im Ultracycling Bereich sind, waren wir sehr froh, hilfreiche Tipps und Anmerkungen von einem Profi zu bekommen! Danke an Christoph Strasser!

    Auf gewisse Dinge hatten wir überhaupt kein Augenmerk gelegt, was uns spätestens beim Projektstart zum Verhängnis geworden wäre. Ich bin unglaublich dankbar, welch Unterstützungen wir erhalten. Danke an unsere Unterstützer, die an mich und unser Projekt glauben und vor allem Danke an meinen Lebensgefährten, der mich immer unterstützt, damit ich meinen Traum wahr werden lassen kann!

    Ich möchte Euch auch was zurückgeben! Vielleicht kann ich mit meinen Beiträgen auch Euch motivieren, einmal das Abenteuer Langstrecke zu wagen und mit einer Portion Mut und Abenteuerlust neue Wege zu gehen.
    Ich denke, dass man kein Profi sein muss, um das mal auszuprobieren! Ich werde Euch am Laufenden halten, wie es mir in der Vorbereitung ergeht, welche Überlegungen ich betreibe, was mich bewegt und vor allem was sich für bewährt hat.

    Es wird eine Reihe von Beiträgen folgen, ob es sich um die Packliste handelt oder auch um den Trainingsplan, ihr dürft gespannt sein- so gut es eben ein Greenhorn machen kann 😉

    Ich lade Euch ein, mich auf meiner Reise zu begleiten!
    Velolove Anna

     

    RaceAround

    Austria-

    Die Challenge

    "Wollt ihr die harten Fakten und das Reglement genauer lesen?
    Hier geht es weiter zur offiziellen Homepage des Veranstalters!"
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    in 24 Stunden