• Meine Abenteuer

    Quer durch Österreich

    Nach Wochen der Vorfreude, Vorbereitungen und Streckenplanung, war es endlich soweit: Die Reise “Quer durch Österreich” konnte beginnen. Die Entscheidung, wohin und vor allem über welche Pässe mich das Abenteuer mit einer Freundin führen soll, war nicht einfach zu treffen! Es gibt so viele schöne und lohnenswerte Straßen und Pässe in Österreich. Meine Freundin (Veronika, danke das Du dabei warst!) und ich haben unsere Tour ursprünglich von Götzis nach Eisenstadt geplant und die Großglockner Hochalpenstraße war eigentlich auch nicht vorgesehen…! Schlussendlich haben wir unsere geplante Route während unserer Tour nochmal abgeändert.
    Wo wir genau unterwegs waren und wie sich dieses Abenteuer für uns angefühlt hat, kannst du hier nachlesen!

    Der Tag vor der Reise

    Nachdem unsere Räder “fachmännisch” durch uns selbst serviciert worden sind, wir unsere Taschen mit einer leichten Tendenz zur Übertreibung gepackt hatten und das ein oder andere elektrolythaltige Getränk konsumiert wurde, legten wir uns aufgeregt schlafen, um unseren Wecker um 05:30 nicht zu verpassen.

    Tag 1. Etappe: vom Montfortbanner hoch hinaus zum Adler

    (Fast) wie geplant starteten wir aufgeregt, voller Euphorie, Motivation und Respekt in unser Vorhaben. Die herrliche Morgensonne nahm uns vor der Haustüre in Empfang und begleitete uns durch das Rheintal bis ins schöne Montafon.
    Nachdem wir unser gemeinsames Tempo gefunden hatten, spulten wir die ersten 80 km wie im Zeitraffer runter, ohne zu merken, dass wir uns bereits kurz vor unserer ersten Herausforderung befanden: Die Silvrettahochalpenstrasse. Jede von uns fuhr in ihrem eigenen Rhythmus weiter und genoss, dass jede genommene Kehre uns unserem Ziel etwas näher brachte. Die motivierenden Zurufe und gestreckten Daumen, die durch die heruntergelassenen Scheiben der vorbeifahrenden Autos kamen, spornten uns noch mehr an – also raus aus dem Sattel und rein in die Pedale. Unglaublich, wir hatten unser erstes Etappenziel mit gefühlter Rekordzeit erreicht. Trotz unserer Bedenken im Vorhinein, ob wir das überhaupt schaffen können, durften wir bei einer heißen Suppe und einem Topfenstrudel feststellen: Wir sind gut trainiert und top motiviert, oder wie Thomas (mein Freund) sagen würde: “kline Maschinile”. Somit ging es durch das Paznauntal weiter nach Landeck, wo wir schon am frühen Nachmittag eintrafen. Deshalb entschlossen wir kurzerhand unsere erste Tagesetappe zu erweitern und radelten durch das Inntal weiter nach Telfs. Die verbrauchten Kalorien füllten wir am Abend mit griechischem Essen wieder auf und belohnten uns mit einem Dosenbier am Balkon unseres Hotelzimmers.

    Resümee des ersten Tages: Der gemütliche Anstieg, der grandiose Ausblick über die schöne Bergwelt von Vorarlberg und Tirol und wie sich die Serpentinen zur Biehlerhöhe hoch schlängeln, machten die Silvrettahochalpenstrasse zu einem unvergesslichen Erlebnis.

    FACTS: Götzis – Silvrettahochalpenstrasse – Landeck – Telfs 180 km, 2.000 hm

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    Die Taschen mit leichter Tendenz zur Übertreibung gepackt, ging es dann auch schon los.”

    Tag 2. Etappe: Quer durch den Adlerhorst zum tosenden Wasserfall


    Nach einer sehr erholsamen Nacht in Telfs versorgten wir unsere Körper bei einem reichhaltigem Frühstück mit ausreichend Energie für den Start in den Tag. Der Wirt war so beeindruckt von unserem Vorhaben, dass er großzügigerweise vier Bananen springen lies. Somit waren wir für die kommenden Kilometer ausgerüstet und dank unserer “Bananaphones” stand einer einwandfreien Kommunikation auch nichts mehr im Weg.
    Nach einem kurzen Abstecher bei der örtlichen Apotheke um Veronikas Knie mit Tapes zu stabilisieren waren wir wieder auf der geplanten Strecke am Inntalradweg. Nicht nur, dass die Tapes Veronikas Schmerzen linderten – sie sahen zudem noch stylisch aus und passten perfekt zum Trikot. Schmerzfrei ging es weiter durch Innsbruck bis zu unserer ersten Rast in Jenbach. Frisch gestärkt und extrem motiviert, machten wir uns auf den Weg Richtung Zillertal um unsere nächste Tagesherausforderung zu erradeln: den Gerlospass. Der Wind hatte sich gegen uns gewandt und so pedalierten wir bis Zell am Ziller nicht in unserem gewohnten Tempo. Kurz vor unserer Tagesherausforderung beschlossen wir gemeinsam den Pass zu fahren, da uns extrem viel Verkehr und mäßiges Wetter bevorstand. Und wieder erwischte uns das Phänomen: der Anstieg verflog wie im Zeitraffer. Oben fast angekommen belohnten wir uns in Gerlos noch mit Kaffee und Kuchen. Die letzten 200 Höhenmeter bei Regen machten uns noch etwas zu schaffen. Doch das schlechte Wetter spielte für uns bei der Abfahrt nach Krimml überhaupt keine Rolle mehr. Aufgedreht und mit Stolz erfüllt, dass wir wieder unser Etappenziel erreicht hatten, nahmen wir beim “Fotoshooting” nicht einmal wahr, dass es gewitterte. Wir beschlossen unsere Räder und uns in einem Hotel in Krimml rasten zu lassen und uns bei einem deliziösen, mehrgängigen Essen über die Pläne der nächsten Tage zu unterhalten: Grossglockner- Ja oder Nein?


    Resümee des zweiten Tages: Der Inntalradweg überzeugt definitiv durch seine sehr guten asphaltierten Ausbau, keine lästigen Schotterpassagen. Einfach nur ein sensationeller schöner Radweg in der Talsohle. Über die Gerlos gibt es nur eines zu sagen: Bei schönem Wetter sicher ein Traum.


    FACTS: Telfs – Innsbruck – Jenbach – Gerlospass – Krimml
    140 km, 1.400 hm

    Tag 3. Etappe: Vom höchsten Rummelplatz Österreichs zur harten Realität

    Die Würfel sind gefallen: Sonnenschein, motiviert und mit einer kleinen Portion Nervosität brachen wir mit extrem hohem Tempo in Richtung Bruck an der Grossglockner Hochalpenstrasse auf. Wir passierten das hölzerne Willkommensschild – unser Stolz hätte jetzt umkehren nicht mehr zugelassen. Die Zweifel, die an uns nagten verblassten bereits in der letzten Ortschaft Ferleiten. Was wir uns in den Kopf gesetzt haben wird auch bis zum bitteren Ende durchgezogen. Also hieß es jetzt Pobacken zusammenkneifen und mit vollem Elan in die Pedale treten.
    Wie auch beim ersten Pass entschlossen wir uns, dass es sinnvoll wäre unserem eigenen Rhythmus zu folgen und so verabschiedeten wir uns mit einem kräftigen Tritt und enthusiastischen “Ride on”. Die Startrampe wurde passiert, ab jetzt gibts es nur mehr die insgesamt 36 Kehren und uns. Mit dem einen oder anderen Mitfahrer im Serpentinen-Karussell kämpften wir uns fokussiert, staunend über die imposante Landschaft die 27 Kehren bis zum Fuscher Törl hoch. Nach kurzer euphorischer Besprechung und einem ordentlichen Klaps auf den Po rasten wir die Abfahrt Richtung Heiligenblut hinunter. Das Gefühl purer Freiheit, das uns dabei durchströmte war die Belohnung für die zuvor in Kauf genommenen Strapazen. Unten angekommen belohnten wir uns mit dem obligatorischen Stück Kuchen und Suppe.
    Herrlich! Ein Traum wurde wahr – die Grossglockner Hochalpenstrasse.
    Nach dem euphorischen Triumph landeten wir hart am Strassenbelag der Realität. Regen, der von unten zu kommen schien, Böen, die aus allen Richtung kamen und in den Keller purzelnde Temperaturen verlangten uns alles ab. Aber wir trotzten den Strapazen und wurden mit Sonnenschein in unserem Zielort Stall im Mölltall empfangen. Bei Freunden durften wir die Kärntner Gastfreundschaft kennenlernen und unsere leeren Bäuche mit einer deftigen Jause wieder füllen. Nach dem elementaren elektrolythaltigen Getränk verfielen wir in einen tiefen Schlaf und träumten von weiteren Pässen, die wir mit unseren Rädern erklimmen wollen.

    Resümee des dritten Tages: Am höchsten Rummelplatz Österreichs ist der Touristenansturm anders wie erwartet. Es ist eine gemeinsame große Ausfahrt mit Respekt und Wertschätzung füreinander. VeloLove eben.

    FACTS: Krimml – Großglockner Hochalpenstraße – Winklern-Stall 140 km, 2.270 hmn

     

    “Am höchsten Rummelplatz Österreichs ist der Touristenansturm anders wie erwartet: Wertschätzend und respektvoll. VeloLove eben”

    Tag 4. Etappe: Von regenerierenden Schotterstrassen auf zu romantischen Seeufern


    Nach einem erholsamen Schlaf im schönen Mölltal küsste uns die Sonne wach um gemütlich in den Tag zu starten. Wir planten für heute ein entspanntes Rollen ohne den Tachometer und den Kilometerstand im Auge behalten zu wollen. Das geplante Ausrollen erwies sich relativ schnell als unrealistisch, da wir schnell merkten: wir wollten mehr und wir konnten noch Druck auf die Pedale ausüben.
    Nachdem wir die ersten Navigationsprobleme hinter uns gebracht hatten, ging es in zügigem Tempo in der Talsohle zum Millstättersee. Hier widmeten wir uns der elementaren Kaffee- und Kuchenpause. Der atemberaubende Blick zum See ließ Veronika die Welt um sich vergessen. Noch immer ganz benommen von den einwirkenden Sinnesreizen des Seeufers, musste Veronika nach 15 Kilometer feststellen, dass der Anstieg leichter erschien als sonst. Im Wiegetritt fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: Ihr Gepäck war zurück geblieben! Sie beschloss eine Runde “Mensch Ärgere Dich Nicht” zu spielen und radelte zurück zum Start. Für eine Stunde mussten wir uns trennen, die ich mit netten Menschen und lustigen Gesprächen verbrachte. Diese waren so begeistert von unserer bisherigen Tour, dass wir prompt eine Einladung ins Schloss St. Georgi in Ehrenhausen erhielten, um uns dort erholen zu können. Unbeirrt und mit dem richtigen Reisegepäck ausgestattet nahmen wir wieder volle Fahrt auf – nächster Halt Velden am Wörthersee. Meine Schwester erwartete uns bereits mit kühlen, blonden Erfrischungsgetränken im Strandbad. Nach einer mittelgrossen Toast- und Pommesattacke ging es für uns zum letzten Stop der vierten Tagesetappe – Willkommen Klagenfurt. Da Toast und Pommes nicht hinreichend als Sportlerernährung gezählt werden, suchten wir uns noch einen gemütlichen Gastgarten, ließen den Tag Revue passieren und nahmen die Planung für die letzte Etappe unserer Tour in Angriff. Mit müden Beinen und einem zufriedenem Lächeln im Gesicht legten wir uns in der Nähe von Klagenfurt schlafen.

    Resümee des vierten Tages: Die Landschaft und die Gastfreundlichkeit lassen fast die Schotterwege auf den Radwegen vergessen. Schwer beeindruckt von der schnell wechselten Vegetation des kargen Glockner Gebirges bis hin zu saftigen Wiesen rund um die zahlreichen Seen, lohnt es sich gewiss nochmal eine Runde zu drehen und andere Winkel von Kärnten zu beäugen.

    FACTS: Stall – Spital an der Drau – Millstätter See – Villach – Velden – Wörtersee – Klagenfurt
    145 km, 800 hm

    Tag 5. Etappe: Vom tränenden Trikotzipfel bis himmelhoch jauchzend

    Wie elektrisiert von den letzten Tagen starteten wir um 5:00 Uhr in unsere letzte Etappe. Übermotiviert und mit einem viel zu schnellen Tritt brachen wir Richtung Heimat auf. An diesem Morgen wollte uns der Rhythmus von den letzten Tagen nicht in seinen Bann ziehen. Nachdem wir uns im Nirgendwo und Irgendwo verfahren hatten, uns die Orientierung im Stich ließ, die Wadeln brannten und die Nerven so angespannt waren, dass sie fast zu reißen drohten, musste wir uns eingestehen, dass auch die durchgeplantesten und motiviertesten Rennradlmadl ein Limit haben. Wir reagierten einfach mit Kaffee und Keksen auf die Herausforderung und fühlten uns nach einer längeren Pause wieder fit genug um die Heimreise antreten zu können. Nachdem wir die letzten Tränen mit dem Trikotszipfel aus unseren Gesichtern gewischt hatten, radelten wir wieder in unserer gewohnten Form weiter. Mit viel Spass und Blödelei kamen wir der Staatsgrenze immer näher und nun hieß es: Adè Kärnten und herzlich Willkommen in Slowenien. Entlang der Drau gelangten wir zur ersehnten und gedachten letzten Herausforderung unserer Tour: dem Radlpass.
    Immer schön “počasi” pedalierten wir auf die steirische Landesgrenze zu. Dabei winkten und feuerten uns die Bauarbeiter vom Strassenrand an – oder dachten wir uns zumindest. Wahnsinn: Das grüne Herz Österreichs direkt vor uns. Diesen Glücksmoment konnten wir nicht in Worte fassen, wir waren zu aufgeregt und erstaunt, dass wir es in dieser Zeit geschafft hatten. Wir belohnten uns in Eibiswald bei unserer Einkehr mit Kuchen und Toast. Leider hatten wir uns zu früh gefreut und legten mit der “Welcome Back Party” etwas zu schnell los. Denn die Weststeiermark bis nach Graz hatte es noch ordentlich in sich. Hügel auf, Hügel ab und “vül Gegend zum Einischaun” ließen uns die letzten 65 Kilometer ewig erscheinen. Die 34 Grad machten die Heimreise nicht unbedingt angenehmer und brachte den Kreislauf noch ordentlich ins Wanken.

    Nach rettenden Colas und ein paar Späßchen radelten wir mit eingebildetem Applaus, Zurufen und einem Schulterklopfer über die Murpromenade in Graz ein. In unserem Stamm-Gastgarten stießen wir auf unser Abenteuer “Quer durch Österreich” an: DONE!

    Resümee des fünften Tages: Das grüne Herz Österreichs – durch schöne Hügellandschaften, romantische Weingärten und bodenständige Buschenschanken schlängelt man sich über einsame Strasse Richtung Hauptstadt entgegen.

    FACTS: Klagenfurt – Bleiburg – Dravograd – Radlpass – Eibiswald – Graz 163 km, 1.310 hm

    Egal von welcher Himmelsrichtung man kommt oder in welche Richtung man fährt, Österreich hat so viel schöne Ecken! Ich freue mich auf die nächste Reise!

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    "Quer durch Österreich war ein unvergessliches Abenteuer!
    Danke an meine Freundin Veronika, ohne Dich wäre es nur halb so schön gewesen."
    VeloLove
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    Kilometer
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    Höhenmeter
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    Gramm Käsknöpfle verbrannt