Meine Abenteuer

Radreise vom Bodensee zum Neusiedlersee

Unsere Radreise zu den schönsten Plätzen Österreichs!

Mit dem Rennrad und vollgepackten Satteltaschen reisen wir mit Wadlantrieb quer durch Österreich! Was wir alles erleben, welche rasanten Abfahrten und schweißtreibenden Höhenmeter wir bezwingen und vor allem wie schön Österreich ist, könnt ihr in den nächsten Zeilen selbst nachlesen…

Prolog: Als die Welt noch in Ordnung war

Jänner: der Urlaub wurde im Firmenkalender fixiert und die Planung und Reiseroute quer durch Deutschland nahm immer konkreter Form an! Unsere Nachbarn sind meiner Meinung nach als Urlaubsland ziemlich unterschätzt, da ich denke eine Reise Quer durch Deutschland ist landschaftlich, kulturell und geschichtlich auf alle Fälle lohnenswert. Wir ignorierten denn fahlen Beigeschmack “Wos, ihr fohrts zu die Piefke?!” und freuten uns wahnsinnig auf die Reise!

 

März: Alarm, Angst und Panik! Die Katastrophe breitete sich über die ganze Welt aus! Befremdliche Begriffe wie Lockdown, Epidemie und Krise machten sich in Köpfen von uns breit. Läden wurden geschlossen, arbeiten wurde auf ein Minimum reduziert und wir konnten uns alle von offene Grenzen verabschieden. Die Unsicherheit und die Panik vor ausgehenden Toilettenpapier und Konservendosen dominierten die Nachrichten. 

Im Mai wurde alles etwas gelockert und es war in Aussicht dass langsam wieder etwas Normalität ins Land zieht. 

Zurück zum Start: Radreisen bedeutet flexibel sein

Juni: Endlich ist es soweit! Lassen wir das Abenteuer beginnen, allerdings nicht zu unseren Nachbarn! Shit happens, die Grenzen sind noch dicht! Aber das tolle an Radreisen: Man ist flexibel und kann sich durch die Täler und Pässe einfach treiben lassen! Also  zurück an den Start: Österreich, unser schönes Heimatland, wir möchten neue Ecken von Dir entdecken! 

Die Planung verläuft,.. mhmm etwas… planlos. Klar ist der Anfang und das Ziel: Vorarlberg nach Wien!

Wir, mein Freund und ich, beschließen trotz der Schafskälte und prognostizierten Dauerregen das Abenteuer zu wagen! 

Satteltaschen gepackt, Garmin geladen und Regen Kleidung parat. Noch einmal schlafen und dann gehts los!

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“Nach Rennradlwadl-Manier wird auch bei Schlechtwetter das Abenteuer gesucht!”

Tag 1: Von Vorarlberg nach Hall in Tirol

Der Wecker klingelt und wir hören die Regentropfen die an das Fenster prasseln. Snooze Taste gedrückt und noch ein bisschen mützeln. Die Motivation früh aus den Federn zu springen hält sich in Grenzen. Nach einem ausgedehnten Frühstück packen wir unsere Satteltaschen, klicken den Fahrradcomputer ein und schlüpfen in unsere Regenklamotten. Schick sieht anders aus! Aber lieber trocken als durchgefroren! Die Vorfreude auf die Reise lässt uns den grausigen Wetterbericht allerdings wieder schnell vergessen! Die ersten Kilometer regnet es wie aus Kübeln, aber gut dass wir unsere Heimat auch bei schönem Wetter sehr gut kennen und es stört uns überhaupt nicht. Flott und ohne Windschatten (bei Regen etwas unfein) fahren wir nebeneinander unserer ersten Tagesherausforderung entgegen! Der Arlbergpass!

Der Arlbergpass ist nicht gerade die erste Wahl, wenn es darum geht nach Tirol zu gelangen, aber wenn es auf 2000 Höhenmetern schneit, bleibt keine passende Alternative! Im Klostertal meint es der Wettergott bereits schon besser, die Wolken reißen über uns auf und haben somit wir freie Fahrt. Wir lassen die grauen Wolkenschwaden hinter uns und radeln der Sonne entgegen. Serpentine um Serpentine radeln wir dem Grenzstein Vorarlberg-Tirol entgegen.

Zwiebellook an, bremsen los und mit 65 Sachen lassen wir es den Pass hinunter krachen! Welch eine Freude und unser Grinsen könnte kaum größer sein! 

Die Panoramastraße von St. Anton am Arlberg über Schnann und Pians lassen uns schnell die ersten Anstrengungen vergessen. Malerische Ortschaften, sanfte Bäche, beeindruckende Schluchten und alte Bahntrassen. So kann man dieses Teilstück am besten beschreiben. Mit Rückenwind erreichen wir im Rekordtempo Landeck! 

Jetzt haben wir uns einen Kaffee und eine kleine Jause verdient. Wir besprechen kurz wie weit wir noch radeln wollen und sind uns einig: Beine sind fit und unsere Motivation überragend, also ab zum “Goldenen Dachl” nach Innsbruck. 

Das Inntal präsentiert sich für uns von seiner besten Seite: blauer Himmel, Rückenwind und volle Fahrt voraus! 

Prinzipiell bin ich nicht immer ein Fan von Radwegen mit dem Rennrad, aber dieser hier ist perfekt ausgebaut und es macht richtig Spaß hier zu düsen. Hier und da ein Blick auf den türkisen Inn oder man entdeckt beim vorbeifahren alte Burgruinen und typische kleine Tiroler Dörfer! 

In Innsbruck tummeln sich Touristen und es ist uns einfach zu stressig. Schnell ein Foto schießen und dann weiter nach Hall in Tirol.

Diese Ortschaft weckt bei mir einige Erinnerung, da ich hier die Berufsschule für Augenoptik und Hörakustik abgeschlossen habe! Seitdem bin ich ein großer Fan von Tirol! Bei einem guten Krügerl Bier und einer großen Portion Tiroler G`röstel lassen wir dann den Abend perfekt ausklingen und ich schwelge noch ein bisschen weiter in meinen Berufschul-Erinnerungen.

Tag 2: Hall in Tirol nach Zell am See

Am Frühstückstisch besprechen wir die Etappe und laden den Track auf unsere Fahrradcomputer hoch. Da wir Aufgrund der geschlossenen Grenzen mit starkem Verkehr über den Dientensattel rechnen, entschließen wir unsere Tour über den Gerlospass fortzusetzen. Bei einem Blick aus dem Fenster und ein Klick auf den Wetterbericht verraten uns, dass wir am Vormittag von der Sonne begleitet werden würden, aber dass sich das Wetter am Nachmittag rapide verschlechtern wird. Wir halten uns ran, packen unsere 7 Zwetschken und der Tag beginnt!

“Körperliche Grenzen sind da um überwunden zu werden, raus aus dem Sattel und rein in die Pedale”

Mit einem 32er Schnitt düsen wir ins Zillertal! Der Radweg im Zillertal ist wenig stark frequentiert (in der Hochsaison kaum möglich) und so können wir den schön angelegten Radweg nach Zell am Ziller nutzen, um unsere erste Tagesherausforderung zu erreichen. Der Gerlospass! Ein Blick nach oben lässt bei mir das Herz um einiges höher schlagen: kein einziges Wölkchen am Himmel und die Temperatur frühsommerlich warm! Ein Traum! Bei den ersten Höhenmetern fühle ich mich noch nicht ganz wohl in meiner Haut und muss ziemlich mit der Temperatur kämpfen. Mein Freund allerdings, fit wie immer, pedaliert mit ordentlich Druck auf den Pedalen bereits davon! Für uns ist immer klar: Bergauf fährt jeder wie er möchte, denn es bringt nichts wenn man zuviel Gas gibt! Also winke ich ab und fahre mit meinem Tempo die ersten Serpentinen. Mein Körper kann sich langsam auf die ungewohnte Temperatur einstellen und ich finde meinen Rhythmus. Jetzt bin ich im FLow und ich freue mich wieder in alter Form zu sein! Die Strecke ist landschaftlich echt ein Knaller! Der Blick von oben ins Zillertal und die Gewissheit heute die Krimmler Wasserfälle bei Sonnenschein zu sehen, motivieren mich so sehr, dass ich ohne es wirklich zu bemerken schon bereits in Gerlos bin! Wie in einem kitschigen österreichischen Heimatfilm werden die Weidevieher quer durch die Ortschaft getrieben! Welch ein Spektakel und im Zick-Zack (Kuhfladen-Alarm) geht es durch das Bergdorf. Unsere Begeisterung vom Schwarzachtal lässt uns während den letzten Höhenmetern bis zum nächsten Bundesland Schild wilde Pläne für einen Wanderurlaub schmieden. Pfiat enk Tiroler- Grias di Salzburg! 

Aber wir freuen uns noch nicht zu früh, denn für die grandiose Abfahrt sind noch ein paar Höhenmeter zu machen! Das Hochplateau der Gerlosplatte erinnert uns irgendwie an Kanada (bzw. so stellen wir uns Kanada vor). Wir freuen uns, dass wir offentsichtlich die richtige Entscheidung für unseren Tour getroffen haben: Denn wir haben kaum Verkehr und das Wetter ist noch immer auf unserer Seite. 

Wie es bei Mann und Frau manchmal so ist, ist man unterschiedlicher Meinung bezüglich der Kaffeepausen und so verzichtete ich auf meinen obligatorischen Kuchen und wir rasen den Krimmler Wasserfällen entgegen. Und ich muss sagen: Diese Abfahrt mit dem dazugehörigen Ausblick ist definitiv besser als jedes Kuchenstück der Welt! 

Mit perfektem Wetter und keiner Spur von Wetterumschwung pedalieren wir mit 40km/h durch`s Pinzgau! Wir wechseln uns brav mit der Führungsarbeit ab und haben richtig Spaß über die kleinen Hügel zu drücken. Jetzt ist aber soweit, meine Kaffee- und Kuchenpause muss wirklich sein. 

Ich kann ziemlich stur und mürrisch werden. Wenn ich eine Kuchenpause will, dann ist es eben so 😉 Am Hauptplatz in Mittersill gönnen wir uns eine kleine Pause (Mhmmm Kirschkuchen!) und besprechen kurz wie wir unsere Tour nach Wien weiter fortführen möchten. Wir sind uns sehr schnell einig, dass unser nächster Stopp Zell am See sein soll. Da wir beide diese Ecke nicht wirklich kennen. Schließlich geht es uns ja auf dieser Reise darum neue Wege zu erkunden! 

Somit geht es weiter durch`s Pinzgau und der Gesprächsstoff geht uns während der letzten Kilometer nicht aus, da wir bereits wieder am Pläne schmieden sind. Man erhascht hier und da einen Blick auf den Großvenediger und auf die atemberaubende Bergkulisse. 

Zell am See ist wirklich ein malerischer Ort. Am Seeufer streifen wir die Hosen hoch und gönnen uns eine Runde Kneippen im erfrischenden See. Uns gefällt es hier so gut, dass wir spontan entscheiden unser Nachtlager einfach hier aufzuschlagen. Beim vernaschen eines Topfentascherls buchen wir ein Zimmer und schlendern gemütlich durchs Zentrum. Duschen, frisch machen und jetzt haben wir uns eine große Pizza und ein erfrischendes Bier verdient, bevor wir uns an die Planung von Tag 3 machen!

Tag 3: Zell am See nach Bad Aussee

Guten Morgen Sonnenschein! Mega gelaunt und top motiviert starten wir den Tag bei einem reichhaltigen Frühstück. Beim Frühstücksbuffet lernen wir ein Truppe junger Radfahrer kennen, die auch gerade eine Radreise in Österreich machen. Nach einem kurzen Plausch und Austausch von Tourentipps rollen wir bereits weiter. Landschaftlich ist das Pinzgau immer eine Reise wert! Solange man sich am Radweg aufhält 😉

Leider versäumen wir die Abfahrt auf den parallel geführten Radweg und so müssen wir uns bei extrem viel Verkehr und vorbei donnerten Lastwagen wohl oder übel auf der Bundesstraße durchkämpfen! Tja, so ist es manchmal mit Radreisen, man nimmt es wie kommt! 

Bei Schwarzach im Pongau schaffen wir es auf den Radweg zu gelangen und die Erleichterung steht mir ins Gesicht geschrieben , da mich massiver Verkehr immer extrem nervös macht. 

Richtung Bischofshofen haben wir einen herrlichen Ausblick rund um das Gebiet und der Gebirgskette um die Burg Hohenwerfen!

Fast schon kitschig: blauer Himmel und schroffe Felswände mit ein paar Schneefeldern!

Kurz nach Bischofshofen zweigen wir rechts in das Ellmauthal ab. Parallel zur Autobahn verläuft die verkehrsarme alte Bundesstraße Richtung Tennengebirge. Stetig radeln wir bergauf durch das traumhafte Tal. Saftige, grüne Wälder und der Fritzbach lassen uns die Zeit vergessen. Wir radeln, einfach und konstant mit einem Lächeln im Gesicht St. Martin im Tennengebirge entgegen.

Ein netter Ort, hier und dann grüßt uns ein Wanderer der sich gerade ins Tennengebirge für eine Tour aufmacht. Pause? Nein, wir wollen noch die letzten Höhenmeter zum Pass Gschütt schaffen, um uns in die wohlverdiente Abfahrt zu stürzen! Mit vollem Karacho kehren wir Salzburg den Rücken und begrüßen Oberösterreich

Die malerische Ortschaft Hallstatt ist weit über die österreichischen Landesgrenzen bekannt und erfreut sich großer Beliebtheit im asiatischen Raum. Die Liebe zu diesem Ort geht sogar soweit, das Hallstatt maßstabsgetreu in China nachgebaut wurde. Unter normalen Umständen würden wir Hallstatt umfahren, da es von Touristen nur so wimmelt. Wir denken uns aber, dass sich ein Abstecher bestimmt lohnen wird, da aktuell noch Reiseverbot herrscht. Eine absolute Fehleinschätzung: Hallstatt quillt von Tagesausflüglern fast über. Gefühlt hat jeder Österreicher gerade die selbe Idee 😉

Schnell ein paar Fotos schießen und weiter gehts! Nächster Halt: Der geographische Mittelpunkt Österreichs, die Heimat von Anna Plochl, die Ortschaft mit dem Erzherzog Johann als Ehrenbürger und durchaus bekannt für den Salzbergbau: Bad Aussee!

Bevor wir aber das Liedchen “I hob Hoamweh, Hoamweh noch B.A.” trällern können, müssen wir noch richtig in die Pedale treten! 23% Steigung, gnadenlos und grenzwertig: Der Koppenpass. Ich werde aber mit einem grünen Herz belohnt: Pfiat di Oberösterreich, Glück auf mein geliebtes Steirerland

Geschafft! Pünktlich, wie auf die Minute, als uns der Kellner ein großes Stück Torte bringt, beginnt es zu regnen! Das ist für uns ein Zeichen: Den Tag beenden wir in Bad Aussee und buchen uns ein Zimmer! 

Wie aus einem österreichischen Heimatfilm warten wir noch gespannt, ob Peter Alexander aus dem Kasten springt, bevor wir unsere Beine hochlegen, um im Bett noch eine Pizza zu verspeisen. Steirerbluat is koa Himbeersoft schwingt noch in meinen Gedanken mit, bevor ich einschlafe. 

fbt

“Steirerbluat is koa Himbeersoft, Steirerbluat hot a gaunz bestimmte Kroft!”

Tag 4: Bad Aussee nach Lunz am See

Wir schieben den Vorhang auf die Seite und sehen tiefe Wolkenschwaden und leichten Nieselregen. Ok, der Wetterbericht stimmt auf unserer Reise das erste Mal! 

Nachdem es den ganzen Tag nicht auflockern soll, genießen wir eine langes, ausgedehntes Frühstück. Stress haben wir sowieso nicht und wenn wir nass werden, dann gehört das eben auf Radreisen dazu. Regenhose an, Handschuhe griffbereit und die schicke Helmabdeckung und schon gehts los. Wir radeln bei erfrischendem Sprühregen dem Ennstal entgegen. Leider bleibt uns der Blick auf den Grimming verwehrt, aber dafür steht vor uns das beeindruckende Schloss Trautenfels.

Da es bis Liezen nicht wirklich eine gute Alternative gibt, beschließen wir die Bundesstraße zu nehmen. Für mich bedeutet das purer Stress und Angstschweiß. 

Aber die Autofahrer sind extrem rücksichtsvoll und überholen uns großzügig, sodass es schlussendlich halb so schlimm für mich war.

In solchen Situationen bin ich immer extrem dankbar, so einen tollen Freund an meiner Seite zu haben, der mich mit seiner ruhigen und positiven Art immer beruhigen kann und mich weiter motiviert. 

Tschüssss Liezen, wir fahren jetzt ins “Xeis”! Ich bin schon ganz aufgeregt, da ich das erste Mal in meinem Leben (etwas peinlich für einen Steirer) den Stift Admont mit der größten Stiftsbibliothek der Welt besuchen werde. Wie es unsere Tradition ist, betreten wir das Kloster um eine Kerze anzuzünden. Ein Moment der Stille und Dankbarkeit.

Aber nicht diesmal: ein Orgelkonzert der Sonderklasse wird uns im inneren der Kirche geboten. Nur für uns! 😉 Oder so fühlt es sich zumindest für uns an. Leider können wir den Stift nicht genauer unter die Lupe nehmen, da Corona bedingt noch alles geschlossen hat. Aber so haben wir wenigsten einen Grund wieder nach Admont zu fahren.

Wir schwingen uns wieder auf unsere Sättel und pedalieren fröhlich weiter. Das Wetter stört uns überhaupt nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Das Gesäuse zeigt sich für uns von seiner mystischen Seite. Tief hängende Nebelschwaden, schroffes Geröll, die Enns, reißend und wild, spiegelt alle Farbnuancen wieder die ein Bach nur bieten kann! 

Auf den Spuren des Erzabbaus radeln wir die bekannte Eisenerzer Panoramastrasse entlang! Hier und da ein kleiner Stich, aber wir sind ja nicht auf einer Kaffeefahrt, oder etwa doch? 

 

 

 

 

“Gönn Dir einfach mal Wellness für deine Wadl”

Bussi, Baba liebe Heimat, Servus Niederösterreich! Ich bin wahnsinnig begeistert so oft bei unserer Tour die Bundesländer zu wechseln. Der Wetterkapriole die uns in Lunz am See auf eine Kaffeepause zwingt, sind wir überhaupt nicht böse. Bei einem kurzen Plausch mit der Wirtin entscheiden wir spontan hier zu bleiben und die durchgeweichte Kleidung gegen einen flauschigen Saunamantel zu tauschen, so können sich unsere müden Knochen in der Kräutersauna gut erholen.

Wir genießen noch den Abend in unserem geräumigen Zimmer und lassen den Abend mit einem Bier ausklingen

Tag 5: Lunz am See nach Rust

Beschwingt starten wir in den Tag. Die Satteltaschen wieder parat, die Energiereserven auf 120% aufgetankt radeln wir gemütlich die Mariazellerstraße entlang, die dann in die Zellerrainstraße mündet. Einfach eine tolle Gegend und ich kann nach dem ersten längeren Anstieg wieder meine geliebte Steiermarktafel umarmen! Kurz vor Mariazell zweigen wir noch zum Erlaufsee ab, wo einige motivierte Taucher sich bei dieser Kälte gerade beraten. Ich für meinen Teil würde bei diesen Temperaturen niemals nur in Erwägung ziehen, mich ins kalte Nass zu wagen! Wir radeln einfach viel lieber!

Angekommen in Mariazell sind wir sehr erstaunt: Die Straßen sind wie leergefegt, die Parkplätze geisterhaft leer und in der Wallfahrtskirche keine Menschenseele! Haben wir etwas verpasst? Steht Mariazell unter Quarantäne? Nach kurzer Überlegung kommen wir zum Schluss: Durch Corona bleiben die Touristen aus und die Geldabzockerstandl leer. 

Nach dem geisterhaften Zwischenstopp radeln wir das Halltal hinaus, um noch die letzten Höhenmeter des Tages zu machen. Verwundert über ein Kameltheater (?!) erreichen wir nach ein paar schweißtreibenden Höhenmeter und einer super genialen Abfahrt die Wirtschaft “Kalte Kuchl”. Wir sind so motiviert, dass wir auf eine Rast verzichten und rasen über Rohr am Gebirge (Haselrast) Pernitz entgegen. Diese abgelegene Straße macht richtig gute Laune und am Horizont entdecken wir die ersten Sonnenstrahlen die sich durch den Nebel kämpfen. Das Piestingtal empfängt uns mit super Rückenwind und angenehmer Temperatur. Der Radweg: Einfach der Hammer! Holzbrücken, Galerien und motivierende Sprüche als Bodenmarkierung. 

Für uns ist ab jetzt klar: Wir wollen den Neusiedlersee erreichen! Greifbar nah und doch noch so fern! Die grünen Wälder weichen den Weizenfeldern, die Landschaft verändert sich und wir verabschieden uns von Niederösterreich und sagen Hallo zum Burgenland!

Himmelhochjauzend und Knall auf Fall die harte Realität! “zinnnggg”, Gangschaltung funktioniert nicht mehr. Kurz vor Eisenstadt reißt mir doch tatsächlich der Schaltzug!

Aus einem perfekten Rad wird ein Zweigangrad. Nach Rennradlwadlmanier beiße ich die Zähne zusammen und radel noch den letzten Anstieg zum Römersteinbruch. Vor uns liegt nun der ersehnte Neusiedlersee! Stolz und zufrieden trinken wir in der Ruster Bucht einen Kaffee, checken uns ein Zimmer und lassen den Abend mit hervorragendem Essen ausklingen! Das Radproblem lösen wir dann morgen, versprochen! 

Tag 6: Rust nach Wien zum Heldenplatz

Die letzten 70 Kilometer stehen für uns heute am Plan. Gemütlich, stressfrei und vor allem mit guter Laune! Wir fahren zum nächsten Radhändlerin in der Hoffnung dort mein Rad reparieren zu lassen. Vor lauter Aufregung bin ich meinem Freund zu knapp aufgefahren, sodass er mich beim absteigen voll erwischt (eher gestreift ;). Voll auf die Neune! Wie in Zeitlupe falle ich etwas unglücklich auf den verschmierten und dreckigen Zahnkranz. Ramme mir dezent die Zähne in die Wade und muss kurz mal tief durchatmen. Zu meinem Glück befindet sich direkt gegenüber die Apotheke. Ich versorge und desinfiziere meine Wunde während meine bessere Hälfte bzw. persönlicher Mechaniker sich um mein Rad kümmert. Das auf E-Bike spezialisierte Fahrradgeschäft hat leider keinen passenden Schaltzug, weshalb wir das Schaltwerk mit einem Kabelbinder in der Mitte der Kassette fixieren,

Das werde ich schon packen, sind ja nur 70 Kilometer. Nach ein paar Kilometer regnet es zu allem Überfluss wie aus Kübeln! Starkregen, hurray! Wir haben keinen Stress und beschließen in Oggau beim Dorfwirt (Gasthaus Monika) den Regen abzuwarten. Nach 2 Stunden bester Unterhaltung und hervorragendem Kuchen, beginnt sich meine Laune auch wieder zu bessern, das Wetter allerdings nicht. Die lustigen Stammgäste und die Wirtin überlegen schon wie sie uns nach Wien fahren sollen. Wir winken aber dankend ab, wenn wir schon so weit geradelt sind, lassen wir uns die letzten Kilometer auch nicht nehmen!

Ich stoße im Leithagebirge an meine körperlichen Grenzen! Mit nur 2 Gängen ist dieser kleine Anstieg echt eine Herausforderung!  Mit Rennradlwadl-Manier steige ich in den Sattel und quäle mich Meter für Meter vorwärts! Der Regen setzt mir auch ordentlich zu. Thomas ist stetig an meiner Seite und motiviert mich weiter zu machen! Stolz und durchgefroren haben wir den Anstieg und die Abfahrt hinter uns! 

Die Motivation kehrt zurück und haucht wieder etwas Leben in meine Knochen! Durch einsame Felder und abgelegene Straßen nähern wir uns nun Wien! 

Ohhh Wien, du bist sowas von anders! Laut, stressig und doch schwingt das Erfolgsgefühl bereits mit, als wir uns durch die stark frequentierten Straßen kämpfen! Die Reise hat seinen Höhepunkt erreicht: Der Heldenplatz! Passender kann der Abschluss unseres Abenteuers gar nicht sein! Wir fühlen uns wie Radhelden: Kampfgeist, Abenteuerlust und Leidenschaft sind fix in unseren Herzen verankert! 

 

Unglaubliche 6 Tage mit 830 Kilometer haben wir bewältigt! Und das mit meinem besten Freund, Partner und Kamerad! Ich bin froh Dich seit 10 Jahren an meiner Seite zu haben und das Leben wird für uns noch einige Abenteuer bereithalten! 

 

Epilog: Wenn 830 nicht ausreichen...

Da 830 Kilometer wirklich eine blöde Zahl ist und ich gerade Zahlen einfach Liebe, hat uns ein Freund noch seine Heimstrecke im Wiener Wald gezeigt!

Jetzt bin ich glücklich und verbuche die Tour mit unglaublichen 900 Kilometern mit 8000 Höhenmetern! 

"Wiedermal quer durch Österreich, nur anders und wieder mit neuen Herausforderungen! Ich kann Dir auch nur empfehlen deine Satteltaschen zu packen und das Abenteuer zu wagen!"
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Ein Kommentar

  • Papa

    Eine traumhafte Reise mit Allem was kommen kann. Freue mich auf die nächsten Ziele
    Mein Stolz und die Freude fährt mit
    Bussale Papa

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