Meine Abenteuer

3 Ländertour- AUT.IT.SLO

Ob alleine Reisen Spaß macht und ob ich es weiterempfehlen kann, wie wichtig das richtige Equipment ist und wie nötig Kaffee und Kuchen Pausen werden…..

 

Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Mehrtagestour mit dem Rennrad unternommen. Umso fixer wurde für mich das Projekt ein paar Tage hintereinander zu radeln. Nach Mangel an Wegbegleitern stellte ich mir die Frage: Warum denn nicht alleine? Das Ziel war, dass ich nach 6 Tagen Bled in Slowenien erreichen sollte, da dort unser Familienurlaub stattfinden würde. Ich verbrachte einige Stunden mit der Tourenplanung auf Komoot, um für mich die perfekte Tour zu finden. 

Es galt also den Arlbergpass, Reschenpass und als “Highlight” zum Schluss den schweißtreibenden Wurzenpass zu bezwingen.

Es war nun endlich soweit, der Abend vor der Reise war angebrochen. Mit Youtube-Videos, Schraubenzieher, Kettenöl und anderen Werkzeugen bewaffnet, servicierte ich höchstpersönlich mein Rennrad. Die Schrauberei war auf alle Fälle Premiere! 

“Ich kann Dir nur eines sagen: Ran an die Ritzel und selbst ist die Frau! Handschuhe bei allem Eifer nicht vergessen! “

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Erste Tagesetappe- von einer imposanten Panoramafahrt bis hin zu inspirierenden Gesprächen

Früh morgens warf ich mir meinen gepackten Rucksack über die Schulter, steckte meine Trinkflaschen in die Radhalterung und begab mich auf den Weg nach Bludenz.

Mit viel Motivation und voller Hose, aus Angst ich könnte es nicht schaffen, radelte ich mich gemütlich durch das Klostertal ein. Wie ich nun hier vor den ersten Kehren stand, wurde mir schlagartig klar: Jetzt gehts los, also Druck auf die Pedale. Der Arlbergbergpass ist wahrlich nicht für seine ruhigen Straßen bekannt und so pedalierte ich mit gleichmäßigen Tempo und leicht wankend, wenn wieder ein Lastwagen vorbei bretterte, den Pass hoch. Es motivierte mich unglaublich, als ich ein “GoGoGo” vernahm und der nach oben gestreckte Daumen aus dem heruntergelassen Fenster an mir vorbei raste.

Oben angekommen war ich erstaunt, welch Schneemenge noch am Rand der Straße lag. Ich streifte mir meine Armlinge und Beinlinge über und raste Richtung St. Anton hinab.

Erste Tagesherausforderung: check. Das schrie förmlich nach einer Belohnung, die ich mir mit Kaffee und Kuchen auch gönnte. Die Zeit und die Kilometer verflogen bis Landeck wie im Flug. Vor mir erhaschte ich einen Blick auf einen Rennradfahrer und übte noch ordentlich Druck aus, um mich in seinem Windschatten erholen zu können (Bergauf macht das wenig Sinn). Es entstand ein anregendes Gespräch über das Radfahren und warum ich alleine unterwegs wäre. Wie sich nach ein paar zusammen gespulten Kilometern herausstellte war er ein Profiradfahrer und Trainingskollege vom Extremradsportler Patric Grüner. Nach der Verabschiedung ließ das nächste Gespräch nicht lange auf sich warten. Ich befand mich direkt in einer Gruppe Italiener die einen Brevet (ich glaub es war München-Mailand) absolvierten. Einer von der Gruppe fuhr das selbe Tempo wie ich. Und so motivierten wir uns gegenseitig über die Norberthöhe nach Nauders hoch. Da ich im vorhinein beschloss hier mir meine Nachtruhe zu gönnen, mussten wir uns leider verabschieden. Mit einer herzlichen Umarmung und einem “Ciao Bella!” verabschiedeten wir uns. Noch immer beschwingt gönnte ich mir ein Bier und eine ordentliche Portion Nudeln, um danach in einem traumlosen Schlaf zu verfallen.

“Mit viel Motivation und voller Hose, aus Angst ich könnte es nicht schaffen, wurde mir schlagartig klar: Jetzt gehts los!”

Zweite Tagesetappe- Der herrliche Duft von Apfelblüten bis über den Dächern von Bozen

Um 7:00 Uhr morgens stand ich bereits frisch und munter vor der Einfahrt der Pension. Kurzer check, ob ich alles dabei hatte und dann ging es auch schon los. Der kurze Anstieg bis zum Reschenpaß war so schnell erledigt, dass ich nur im Vorbeifahren ein Selfie mit der “Italia” Tafel schoß. Ich war so gespannt auf das Vinschgau, ich konnte es kaum erwarten mir meine eigene Meinung darüber zu bilden.

Einfach nur herrlich: blühende Apfelbäume, romantische Dörfer, Kühe und Hirten, die sich mit sanften Rufen und bedachten Schritten über die Seitenstraßen bewegten und dieser ständige Duft in der Nase ließen mich wie berauscht Richtung Meran radeln. Ich wollte, dass diese herrliche Fahrt niemals endete. Da ich so überwältigt von meinen Sinneseindrücken war vergaß ich mein Handy einzuschalten. Pech für mich, mein Freund wollte mich überraschen und mit mir gemeinsam durch das Vinschgau radeln. Kurz vor Meran beschloss ich mich wieder mal meiner elementaren Kaffee- und Kuchenpause zu widmen. Glück für mich, dass ich mit dem Handy durch die Stadt navigieren musste, denn so konnte mich endlich mein Freund erreichen, der auf mich bereits in Meran wartete. Hübsch behütet mit einem Retrokapperl Jawui genoß ich in vollen Zügen meinen Kaffee und Kuchen und plauderte hemmungslos drauf los, wie es mir bis jetzt ergangen war.

“Blühende Apfelbäume, romantische Dörfer, Kühe und Hirten, die sich mit sanften Rufen und bedachten Schritten über die Seitenstraßen bewegen” – Vinschgau

Wir beschlossen gemeinsam nach Bozen zu fahren. Ich wollte diese Reise unbedingt alleine schaffen, deswegen beschloss ich den gebotenen Windschatten nicht wahrzunehmen. Dickschädel, eben 😉 Wir aßen noch gemeinsam, bevor er wieder die Heimreise nach Vorarlberg antrat und ich mich zu meiner vorgebuchten Pension aufmachte. 

Fail des Tages: Ich hatte bei der Buchung überhaupt nicht darauf geachtet wo sich diese Pension genau befand. Und so musste ich noch knappe 800 Höhenmeter bezwingen, um zu wissen, dass ich morgen wieder die gesamte Strecke nach unten rollen darf. (Reminder an mich: Zuerst die Lage checken und dann buchen)

Trotz der unnötigen Strapazen hat es sich gelohnt, es war eine großartige Pension mit herzlichen Menschen, tollen Gesprächen und mit der besten Aussicht rund um Bozen.

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Dritte Tagesetappe – Schotterstrassen und andere Herausforderungen

An diesem sonnigen Morgen pflegte ich vor der Abfahrt meine aufgescheuerten Schlüsselbeine und Beckenknochen, die ich meinem Rucksack zu verdanken hatte. Danach konnte es mit einer herrlichen Abfahrt wieder Richtung Bozen beginnen. Unten in Bozen angelangt, war ich wieder auf meiner geplanten Tour unterwegs. Die wunderschöne Talsohle bis nach Brixen ließ mich schnell meine kleinen Blessuren vergessen. Bevor ich kurz vor Mühlbach war, drehte ich noch eine Ehrenrunde rund um Brixen, da bei mir Navigationsgenie kurzzeitig der Verstand aussetzte. Wieder auf meiner geplanten Tour angekommen, konnte es nun durch das Pustertal Richtung Österreich weitergehen. Das Wetter war wohl nicht auf meiner Seite, um mir die Reise nach Österreich zu versüßen. Wind und Regen peitschten mich durch das Tal. Zu allem Überfluss war es unmöglich auf der Hauptstrasse zu fahren, sodass ich mich für den Radweg entscheiden musste. Endlose Schotterpassagen machten für mich die Fahrt nach Innichen zur Tortur. Nach dem zweiten Schlauchwechsel war ich schon so genervt, dass ich am liebsten heulend auf einer Parkbank das Handtuch werfen wollte. Der Zug ist ja auch eine Alternative… Aber nicht für mich!

Also kramte ich noch aus dem hintersten Winkel die letzte Portion Motivation raus und quälte mich nach Innichen weiter. Ich stand nun im Supermarkt in Innichen an der Kasse und musste über mich selbst lachen. Am Förderband befand sich Eistee, Bananentrinkjoghurt, Kekse und Schokolade. Alles andere als eine gesunde Ernährung, aber in diesem Moment war es Balsam für meine Seele. Ich verabredete mich mit einer ehemaligen Schulkollegin auf Kaffee und Kuchen.

“Also kramte ich noch aus dem hintersten Winkel die letzte Portion Motivation raus und quälte mich weiter” 

Erst da bemerkte ich, dass ich den ganzen Tag mit niemandem gesprochen hatte. Was für mir als typische Plaudertasche sehr ungewöhnlich erschien. Im Plaudermodus bei Kaffee und Kuchen besserte sich das Wetter und meine Stimmung schlagartig. Die Sonne kitzelte mich im Gesicht und ließ mich erfrorenes Madl wieder neue Energie schöpfen. Die letzten paar Kilometer nach Sillian verflogen wie im Flug und ließen mich all die Anstrengungen des Tages vergessen. Nach einer riesen Portion Schlutzkrapfen und einer Tafel Schokolade konnte ich mich Stolz meinem Erholungsschlaf widmen. 

Vierte Tagesetappe – von herrlichen Anstiegen und rasanten Abfahrten

Ich gönnte mir ein reichhaltiges Frühstück um meinen Energiespeicher wieder auffüllen zu können und startete mit herrlichen, sonnigen Wetter Richtung Kartitsch. Auf den Kehren des Kartitscher Sattel lieferte ich mir ein Duell der Sonderklasse mit einem Rennradler aus der Gegend. War ich wieder eine Nasenlänge voraus, zog er von hinten wieder richtig an. Denn Schlagabtausch gönnten wir uns ein paar mal bis wir ins plaudern gerieten. Er fragte mich warum ich den so alleine unterwegs wäre und mir fiel keine bessere Antwort als: Weil ich es kann! 

Herzhaft lachend und leicht aus der Puste pedalierten wir gemeinsam durch das Gailtal. In Maria Luggau verabschiedeten wir uns und ich radelte weiter bergauf und bergab durch das wunderschöne Lesachtal. Angekommen in Kötschach-Mauthen füllte ich meinen Rucksack mit einer deftigen Jause auf, um am Weg Richtung Hermagor ein kleines Picknick halten zu können. In Hermagor angekommen verabredete ich mich mit einer Freundin um mich wieder meiner Kaffee und Kuchenpause frönen zu können. Nach einer lustigen und anregenden Unterhaltung setzte ich meine Reise nach Villach fort. Ich hatte mir vorgenommen das ich in Villach nächtigen wollte, also ran an die Pedale und volle Fahrt voraus. Nach einem Wetterumschwung und lästigen Schotterpassagen erreichte ich endlich das Ortsschild Villach. So gefreut über ein Ortsschild hatte ich mich noch nie. Nach dem ich meine Unterkunft gebucht hatte, füllte ich meine verlorenen Kalorien mit einer Portion Pommes und einem Bacon Burger auf. Dann hieß es wieder meine Wunden pflegen und ab ins Bett.

“Auf den Kehren des Kartitscher Sattel lieferte ich mir ein Duell der Sonderklasse mit einem Rennradler aus der Gegend. War ich wieder eine Nasenlänge voraus, zog er von hinten wieder richtig an. Denn Schlagabtausch gönnten wir uns ein paar mal”

Fünfte und letzte Tagesetappe – Wurzenpass: Kann man machen, muss man aber nicht

Wie von der Tarantel gestochen schweifte mein Blick zur Uhr. Verdammt ich hatte verschlafen! Mein Puls beruhigte sich sehr schnell wieder, da ich realisierte das ich eigentlich keinen Stress hatte. Ich war ja alleine unterwegs und musste auf niemanden Rücksicht nehmen. Der Blick aus dem Fenster hieß nichts Gutes, es gießte wie aus Kübeln. Entspannt schlurfte ich zum gedeckten Frühstücksbuffet und kredenzte mir einen Kaffee. 

Nachdem ich den Wetterbericht studiert hatte, beschloss ich erst gegen späten Vormittag meine Radreise fortzusetzen. Nachdem sich allmählich die Regenwolken verzogen hatten, startete ich wie geplant in den Tag. Die paar Kilometer bis kurz vor dem Wurzenpass verflogen wie im Zeitraffer. Nachdem ich schon im vorhinein nicht allzu spaßiges über den Anstieg erfahren hatte und immerhin der Pass bei Quäldich.de vier von fünf Sternen besitzt, hatte ich ordentlichen Angstschweiß im Nacken. Um in das obere Savetal zu gelangen, musste ich wohl oder übel meinen inneren Schweinehund besiegen. Also Augen zu und durch! Es gab für mich nur eine Chance den Kampf zu gewinnen. Einmal auf der Rampe angekommen, fährt man es durch oder man schiebt. Ich entschied mich für die erste Variante und kämpfte mich Meter für Meter über die 18% Rampe hoch. Oben angekommen platzte ich förmlich vor Stolz, ich hatte den Wurzenpass bezwungen! Ohne absteigen zu müssen oder ein Gefühl zu haben ich wäre am Limit! Mein Wadl fühlten sich noch immer gut an und so stürzte ich mich in die Abfahrt nach Kranjska Gora. Entlang der Save radelte ich beschwingt und mit super Laune dem letzten kurzen Anstieg entgegen, mein Ziel war nun greifbar nahe.

Die Hügellandschaft die der Steiermark zum verwechseln ähnlich sah, ließen mich fast wie zu Hause fühlen! Am See angekommen realisierte ich zwischen gefühlten tausend Touristen nun: DONE, und das sogar noch ein Tag früher wie geplant!

” Ohne richtigem Equipment machen solche Touren einfach keinen Spaß. Aufgescheuerte Haut, unnötiges Gewicht etc.

Investiere in Dich und dein Hobby!”

Ich kann Dir definitiv eines sagen: Wage es! Alleine Reisen bringt zwar einige Herausforderungen mit sich, aber der Stolz und die gesammelten Eindrücke stehen definitiv über allem! Man beschäftigt sich auf der Reise nur im Hier und Jetzt, es existiert nur Du! Lernst kurze Weggefährten kennen und hast dessen hinaus noch tolle Geschichten und ein bleibendes Abenteuer! Investiere Zeit in Dich, es wird sich lohnen! Ich werde auf alle Fälle wieder eine Tour mit meinem Drahtesel wagen!
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Gramm Käsknöpfle verbrannt

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